EWU

Wirtschaft der Eurozone gut in Schwung

Das BIP wächst weiter leicht über Potenzial, die Kapazitätsauslastung ist seit längerem überdurchschnittlich, die Besserung am Arbeitsmarkt hält an, ein zaghafter Lohnauftrieb zeichnet sich ab – alles in allem gibt es genug Anlass, mehr Vertrauen in die EWU-Wirtschaftsentwicklung zu setzen. Die EZB sollte in ihrer Kommunikation baldigst umschalten.

Die EWU-Wirtschaft hat einen guten Jahresstart verzeichnet: Laut vorläufiger Schnellschätzung von Eurostat betrug das Wachstumstempo im ersten Quartal 0,5% – ebenso wie im Schlussquartal 2016, für das die Verlaufsrate um ein Zehntel nach oben korrigiert wurde. Damit ist die Grundlage für einen BIP-Anstieg von mindestens 1,7% im Gesamtjahr 2017 gelegt (wir bleiben bei unserer Prognose).

Dies wird nun wahrscheinlich das dritte Jahr in Folge, in dem die Wirtschaft der Eurozone leicht über ihrer Potenzialrate wächst. Die Kapazitätsauslastung in der Industrie ist zuletzt weiter auf 82,6% gestiegen und liegt inzwischen seit 10 Quartalen über ihrem langfristigen Durchschnitt von 81%. Die Besserung am Arbeitsmarkt setzt sich stetig fort. Von der Ressourcenauslastung geht zwar bei Weitem kein akuter Lohndruck aus, aber ansatzweise lässt sich ein gewisses Anziehen feststellen: So erreichte das Entgelt je Arbeitnehmer im Schlussquartal 2016 einen Vorjahresabstand von 1,5% (erstmals seit Anfang 2014). Eine weitere leichte Aufwärtstendenz ist zu erwarten. Allerdings brauchen „Zweitrundeneffekte“ naturgemäß Zeit. Die Inflationsraten waren ungewöhnlich lange sehr niedrig und mit ihnen die Inflationserwartungen. Es wird ein allmählicher Prozess sein, bis sich die aktuelle Normalisierung der Inflation/Inflationserwartungen in Lohnverhandlungen niederschlägt.

Vor diesem Gesamthintergrund wäre die EZB unseres Erachtens gut beraten, in ihrer Kommunikation behutsam umschalten, d.h. baldigst ihren Lockerungsbias bezüglich Leitzinsen und QE aufzugeben. Es besteht kein Grund mehr, den aktuellen geldpolitischen Kurs beizubehalten, der zur Krisen- und Deflationsbekämpfung diente. Die negativen Nebenwirkungen werden zunehmend bedenklich, insbesondere da die Niedrigzinsen durch die gestiegene Inflation nun noch niedrigere/negativere Realzinsen bedeuten. Wir meinen, dass es allen Anlass gibt, mehr Vertrauen in die EWU-Wirtschaftsentwicklung zu setzen. Ein allmählicher Ausstieg aus QE wird überfällig.    

   

 

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Claudia Broyer

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