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Neue EZB-Maßnahmen sind zu viel des Guten

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Die Preisentwicklung rechtfertigt nach unserer Ansicht die heutige nochmalige Verschärfung des EZB-Krisenmodus nicht. Konjunkturell werden die zusätzlichen Lockerungsschritte kaum etwas bringen. Auch die Auswirkungen auf Rendite- und Wechselkursniveau dürften begrenzt bleiben, da hier im Vorfeld der Entscheidung bereits eine Anpassung nach unten erfolgte. Das Risiko negativer Nebenwirkungen steigt, darunter die Gefahr, dass die Finanzmärkte von EWU-Ländern erneut in Übertreibungen hineingeraten. Darüber hinaus setzen Anleihekäufe und ultra-niedrige Zinsen keinen Anreiz, beim Schuldenabbau schneller voranzugehen.

Allianz SE
München, 03.12.2015

Die relativ hochgesteckten Markterwartungen vor der EZB-Ratssitzung wurden durch die heutigen Beschlüsse, QE auszuweiten und den Einlagensatz weiter ins Negative abzusenken, teils enttäuscht. Dennoch dürfte die Senkung des Einlagensatzes vor allem über den Wechselkurskanal wirken. Die zusätzlichen Anleihekäufe schirmen das Renditeniveau gegen Aufwärtsdruck von jenseits des Atlantiks durch das absehbare Auseinanderdriften der US- und EWU-Geldpolitik ab.


Unseres Erachtens hatte die EZB-Geldpolitik bis dato genug, wenn nicht schon mehr als genug getan, um die EWU-Konjunktur anzuschieben und die Inflation im Euroraum mittelfristig wieder Richtung „nahe unter“ 2% zu befördern. Die neuen Lockerungsmaßnahmen halten wir für zu viel des Guten. In der Summe ergeben die jüngsten Konjunkturindikatoren ein ermutigendes Bild – u.a. über den langjährigen Durchschnitt gestiegene Kapazitätsauslastung in der Industrie, gute Stimmungsindikatoren (trotz der Anschläge in Paris) und stetig rückläufige Arbeitslosigkeit.


In einzelnen verhältnismäßig stark wachsenden Ländern – insbesondere Irland oder auch Spanien – steht zu befürchten, dass die EZB-Geldpolitik für die dortigen Verhältnisse zu lange zu expansiv sein wird und erneut ein Boom-Bust-Zyklus entstehen könnte. Denn es kommt hinzu, dass die nationale Fiskalpolitik nicht gegensteuert, sondern wie insgesamt im Euroraum den Gürtel nicht mehr so eng schnallt wie während der Krise.


Schwach wachsenden Ländern mit hohem Schuldenstand – allen voran Italien – kommt der ultra-lockere geldpolitische Kurs zwar gelegen, ob ihnen damit aber wirklich geholfen wird, ist fraglich. Mit ihren massiven Eingriffen verzerrt die EZB Marktsignale. So lässt sich anzweifeln, ob das gegenwärtige italienische Renditeniveau (z.B. unter 1,5% für zehnjährige Staatsanleihen) die Risiken des Schuldenberges von über 130% in Relation zum BIP angemessen widerspiegelt. Im Gegenzug für die Hilfe bei der Konsolidierung in Form niedrigerer staatlicher Zinslast müsste der Schuldenabbau schneller gehen. Hier fehlen Anreizmechanismen, die ausreichenden Handlungsdruck (auch für wachs-tumsfördernde Strukturreformen) erzeugen.


In Anbetracht schwerwiegender Negativeffekte der expansiven Geldpolitik auf Vermögenserträge und die Bereitschaft der Anleger, höhere Risiken einzugehen, erscheint uns die Inflationsentwicklung als „Maß aller Dinge“ für die EZB akut keinen zusätzlichen Handlungsbedarf zu signalisieren. Die Kerninflation liegt bei rund 1%, die Gesamtinflation wird Anfang 2016 durch einen Basiseffekt auch auf knapp 1% steigen. Bei voraussichtlich 1,7% Wirtschaftswachstum im Euroraum 2016 und 1,8% in 2017 werden die EWU- Inflationsraten allmählich weiter anziehen, wenngleich sie die EZB-Zielmarke nicht ganz erreichen dürften (unsere Prognose: 1,6% im Durchschnitt 2017). Diese Preisperspektiven rechtfertigen nach unserer Ansicht die heutige nochmalige Verschärfung des EZB-Krisenmodus nicht.

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