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Ölpreisverfall signalisiert keinen zusätzlichen Handlungsbedarf seitens der EZB

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Auch wenn die EWU-Inflationsraten in den kommenden Monaten nahe der Nulllinie verharren dürften, sind weitere EZB-Lockerungsschritte nicht angebracht. Der Konjunkturaufschwung im Euroraum ist nicht mehr so schwach, dass weitere Schritte erforderlich wären. Ein von uns kalkulierter Inflations-indikator zeigt ebenfalls keinen zusätzlichen EZB-Lockerungsbedarf an, sondern spricht eher für frühere Exit-Überlegungen als derzeit er-wartet.

Allianz SE
München, 18.01.2016

Der jüngste Ölpreisverfall hat den Basiseffekt des Ölpreisrückgangs Ende 2014 mehr oder weniger eliminiert. So werden nun die EWU-Inflationsraten voraussichtlich bis Mitte des Jahres nicht anziehen, sondern in etwa auf dem aktuell niedrigen Niveau (Dezember 0,2% J/J) verharren. Wir haben unsere Prognose für den durchschnittlichen Verbraucherpreisanstieg im Euroraum 2016 auf 0,6% nach unten angepasst (für 2017 prognostizieren wir 1,6%).

Das beruht auf der Annahme, dass der Ölpreisverfall endet und die Notierungen bis Jahresende wieder moderat auf etwa 45 USD je Barrel steigen. Der Euro-Dollar-Kurs dürfte im Durchschnitt 2016 bei 1,09 USD pro EUR liegen (und damit geringfügig unter dem Durchschnitt letzten Jahres). Für eine Zunahme der „hausgemachten“ Inflation fehlt zwar bislang ein Anziehen der Lohnentwicklung, doch dies dürfte nur eine Frage der Zeit sein, da die Besserung am Arbeitsmarkt inzwischen deutlich vorankommt. Die Arbeitslosenquote in der EWU ist von ihrem Höchststand 12,1% im Frühjahr 2013 auf zuletzt 10,5% gesunken, Ende 2016 wird sie wahrscheinlich knapp unter die 10%-Marke fallen.

Die gegenwärtigen Sorgen um die globale Konjunktur, die zumeist auch am Rückgang des Ölpreises festgemacht werden, sehen wir als übertrieben an. Unseres Erachtens kann der Euroraum sowohl dieses als auch nächstes Jahr auch aufgrund des Ölpreisverfalls ein ordentliches Wirtschaftswachstum von nahezu 2% erreichen. Da die nationale Fiskalpolitik den Gürtel nicht mehr so eng schnallt wie während der Krise, drohen Geld- und Fiskalpolitik zusammen dem in Gang befindlichen Konjunkturaufschwung mehr Impulse als notwendig zu geben. Wenn die EZB ihre Preisnorm 2016 das vierte Jahr in Folge deutlich verfehlen wird, ist das kein Anzeichen einer gefährlichen Deflation, sondern den notwendigen Anpassungsprozessen in der EWU und dem anhaltenden Rohstoffpreisverfall zuzuschreiben. Die EZB sollte deswegen nicht abermals Handlungsbereitschaft signalisieren, die sie dann später selbst unter Handlungszwang setzt.

Seit einiger Zeit berechnen wir einen Inflationsindikator, der sich aus Inflationsgrößen zusammensetzt, denen die EZB Relevanz beimisst: die Veränderungsrate des harmonisierten Verbraucherpreisindex gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat in Prozent, die auf Jahresrate gerechnete Verände-rungsrate eines Dreimonatsmittels des saisonbereinigten Verbraucherpreisindex gegenüber dem vorangehenden Dreimonatsmittel in Prozent und die langfristigen marktbasierten Inflationserwartungen gemessen an der „five-year, five-year forward inflation swap rate“.

Die Werte dieses aggregierten (gleichgewichteten) Inflationsindikators sind von rund 1,8% Anfang 2013 auf einen Tiefstand von -0,3% im Januar 2015 gesunken. Aktuell beträgt der Indikator 0,5%. Auf der Basis unserer Inflationsprognosen bis Ende 2017 würde er zur Mitte des laufenden Jahres auf knapp über 1% und gegen Jahresende leicht über 1,5% steigen (was annähernd wieder mit dem EZB-Ziel „nahe unter 2%“ vereinbar wäre). Dieser Verlauf signalisiert zurzeit keinen Handlungsbedarf der EZB. Wir erwarten eine bis ins nächste Jahr hinein unveränderte Geldpolitik – sowohl bei den unkonventionellen Maßnahmen als auch bei den Leitzinsen. Die Indikatorwerte legen aber nahe, dass Überlegungen, den seit Dezember noch verschärften Krisenmodus allmählich zu verlassen, schon in der zweiten Hälfte 2016 einsetzen könnten.

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Dr. Michael Heise

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