Economic ResearchPublikationenThe NewslineEuro-RaumNegativzinsen sollten nicht zur Gewohnheit werden

EWU

Negativzinsen sollten nicht zur Gewohnheit werden

Service & Kontakte

Dr. Lorenz Weimann

Allianz SE
Tel. +49.69.24431-3737
Fax +49.69.24431-6791

E-Mail senden

Wir informieren Sie zeitnah über News und Termine der Allianz Gruppe.

Abonnieren

Folgen Sie uns auf Twitter.

Mehr

  • Kontakt

  • Newsletter

  • Social Media

Mit dem negativen Einlagensatz hat sich die EZB auf unbekanntes Terrain bewegt. Erwünschten Effekten dieser Maßnahme stehen unerwünschte Nebenwirkungen gegenüber. Da unklar ist, was unter dem Strich dabei herauskommt, sollte das Experiment nicht zu lange dauern.

Allianz SE
München, 21.04.2016

In der Welt ultra-lockerer Geldpolitik stoßen die Zentralbanken mit ihren Handlungsmöglichkeiten an Grenzen. Um nicht den Eindruck von Hilflosigkeit entstehen zu lassen, sind u.a. Negativzinsen „in Mode“ gekommen – sie werden außer von der EZB auch von den Notenbanken in Dänemark, Japan, Schweden und in der Schweiz praktiziert. Als Argumente für eine solche Lockerungsmaßnahme gelten vor allem: Erstens die Attraktivität der Währung zu schwächen, um über den Wechselkurskanal die Inflations- und Wirtschaftsentwicklung zu stimulieren. Zweitens mittels der Bestrafung von Liquiditätshaltung die Kreditvergabe und/oder den Interbankenmarkt zu beleben.


Auch wenn die EZB keine Wechselkurssteuerung betreibt, lässt sich sagen, dass sie mit ihren verschiedenen Bündeln von Lockerungsschritten den Euro geschwächt hat (wobei sich allerdings der Wechselkurseffekt allein der Negativzinsen kaum isolieren lässt). Selbstverständlich darf jedoch die Geldpolitik wichtiger Zentralbanken nicht in einem ständigen Nachlegen/Überbieten an expansiven Maßnahmen ausarten. Auch ist bedenklich, wenn die Notenbank wie aktuell in den USA, wo die heimische Datenlage eigentlich für eine Normalisierung der Geldpolitik spricht, Straffungsschritte verzögert, weil sie eine zu starke Aufwertung ihrer Währung befürchtet.


Zur zweiten oben genannten Übertragungsschiene des negativen EZB-Einlagensatzes kann man Folgendes feststellen: Einerseits zeigt die Kreditvergabe im Euroraum durchaus Besserung (wobei auch hier wie beim Wechselkurs verschiedene EZB-Maßnahmen eine Rolle spielen). Andererseits sind die Überschussreserven der Banken bei der EZB trotz zunehmend negativen Einlagensatzes ziemlich hoch bzw. im Zuge von QE gestiegen. Im neuen „Bank Lending Survey“ gaben die befragten Banken an, dass der negative Einlagensatz ihre Nettozinseinnahmen und ihre Kreditmargen mindere.


Die Belastung ihrer Profitabilität versuchen die Banken an ihre Kunden weiterzugeben. Da Negativzinsen für die breite Masse der Sparer bislang ein Tabubruch wären, werden Gebühren erhöht wie etwa durch die Abkehr vom kostenlosen Girokonto. Bei Groß- und auch mittelständischen Unternehmen sind Negativzinsen für liquide Einlagen mittlerweile Realität oder die Banken versuchen solche Mittelzuflüsse abzublocken. Genauso seltsam mutet an, dass die Bargeldhaltung im Tresor mehr und mehr als Alternative erwogen wird.


Die EZB ist sich einer Schmerzgrenze der Banken durchaus bewusst. So hat sie im März bei ihrer erneuten Absenkung des Einlagensatzes weiter unter die Nulllinie im Gegenzug die neuen gezielten Langfristtender mit dem Satz für die Einlagefazilität als Untergrenze belegt – im Klartext können die Banken für die Mittelaufnahme über LTROs groteskerweise also Geld bekommen. Die Frage nach Limits für Negativzinsen wird aktuell in der Schweiz verstärkt diskutiert und die BIZ weist auf mögliche Verhaltensänderungen der Wirtschaftsakteure hin, wenn sie sich auf dauerhaft negative Zinsen einstellen. Unseres Erachtens sollte die EZB davon absehen, den Einlagensatz von aktuell -0,4% nochmals abzusenken, sondern sich sobald wie möglich wieder in Richtung Normalität bewegen.

  Kontakt

Dr. Michael Heise

Allianz SE
Fon +49.89.3800-16143

Send e-mail

Claudia Broyer

Allianz SE
Fon +49.69.24431-3667

Send e-mail