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Weitere EZB-Lockerungsmaßnahmen nicht zielführend

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Dass die Inflationsrate im Euroraum unter Null gefallen ist und dort noch eine Zeit verharren wird, sollte kein Anlass für eine nochmalige Verschärfung des geldpolitischen Krisenmodus sein. Die aktuelle Stagnation der Preise ist öl- und rohstoffpreisbedingt und daher keine gefährliche Deflation. Die EZB sollte erwägen, zu ihrer Definition von Preisstabilität von vor Mai 2003 zurückzukehren. Zudem sollte auch die Besserung am Arbeitsmarkt in der EWU nicht übersehen werden. Die EZB wird am Donnerstag ihre Prognose für die Arbeitslosenquote signifikant zurücknehmen müssen.

Allianz SE
München, 09.03.2016

Nachdem EZB-Präsident Draghi in seinen letzten Stellungnahmen wenig Zweifel daran gelassen hat, dass diesen Donnertag zusätzliche Lockerungsmaßnahmen ergriffen werden, ist eine weitere Absenkung des Einlagensatzes auf 0,4% und/oder eine Ausweitung des monatlichen Anleihekaufvolumens auf 75 bis 80 Mrd. Euro wahrscheinlich. Da Letzteres substanziell wäre, dürfte sich der Zeithorizont bis Ende März 2017 nicht ändern.

Obwohl die Inflationsrate in der EWU zuletzt wieder leicht unter Null gefallen ist und voraussichtlich auch in den kommenden Monaten dort verharren wird, erscheint eine nochmalige Verschärfung des geldpolitischen Krisenmodus nicht angebracht. Die niedrigen Inflationsraten sind in erster Linie durch den Verfall der Ölpreise und die Verbilligung importierter Vorleistungen bedingt. Die Konjunktur im Euroraum hat sich belebt und an Widerstandskraft gewonnen (unsere Prognose des diesjährigen Wirtschaftswachstums im Euroraum: 1,7%).

Zwar wird die EZB ihre Preisnorm „nahe unter 2%“ trotz expansiver Geldpolitik 2016 das vierte Jahr in Folge weit verfehlen. Sie sollte sich deshalb aber nicht zu immer stärkerer Dosierung einer Medizin gezwungen sehen, die ihre Wirkung verloren hat. Vielmehr sollte dies Anlass sein, das „inflation targeting“ der EZB zu überdenken. Preisstabilität wieder als eine Inflationsrate von 0 bis unter 2% zu definieren, wie es die EZB bis Mai 2003 getan hat, würde die nötige Flexibilität geben. Auch temporäre Überschreitungen des mittelfristigen Ziels von 2% wären unter bestimmten Umständen zu tolerieren. Das hat die EZB in der Vergangenheit auch so gehandhabt.

Die globale Wirtschaftssituation ist zurzeit zweifellos von Unsicherheit geprägt. Aber es gibt nicht nur schlechte Nachrichten. So verläuft die Besserung am Arbeitsmarkt im Euroraum schneller als allgemein erwartet. Zuletzt ist die EWU-Arbeitslosenquote auf 10,3% gefallen (von ihrem Höchststand 12,1% im Frühjahr 2013), Ende 2016 wird sie nach unserer Schätzung auf ungefähr 9¾% sinken. Für den diesjährigen Durchschnitt der Arbeitslosenquote prognostizieren wir nun 10% – drei Zehntel weniger als noch vor drei Monaten. Zum Vergleich: In den im Dezember veröffentlichten EZB-Projektionen lag die geschätzte Arbeitslosenquote für den Jahresdurchschnitt 2016 bei 10,5% und für 2017 bei 10,1%. In den am Donnerstag zur Veröffentlichung anstehenden neuen Projektionen sehen wir diesbezüglich Korrekturbedarf nach unten.

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Dr. Michael Heise

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