China

Wachstumsabschwächung kein Grund zur Panik

Wie erwartet hat sich das Wachstum der chinesischen Wirtschaft 2015 weiter verlangsamt. Während sich die Investitionsdynamik vor dem Hintergrund der nach wie vor bestehenden Überkapazitäten in der Industrie weiter abschwächte, erwies sich der private Konsum als Konjunkturstabilisator. Diese Grundtendenz dürfte sich auch in diesem Jahr fortsetzen. Wir rechnen im Jahresdurchschnitt mit einem Wachstum von 6,5%.

Wie das nationale Statistikamt Chinas heute bekannt gab, ist die chinesische Wirtschaft im vierten Quartal 2015 um 6,8% gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Im Gesamtjahr 2015 legte das Bruttoinlandsprodukt um 6,9% zu, nach 7,3% im Jahr 2014. Ein Blick auf die Entstehungsseite des BIP zeigt, dass der Dienstleistungssektor einen maßgeblichen Wachstumsbeitrag geleistet hat. Er legte im Jahresdurchschnitt in realer Rechnung um über 8% zu und trug damit mehr als die Hälfte zum letztjährigen Wirtschaftswachstum bei. Die Industrie hingegen verlor weiter an Fahrt und verzeichnete „lediglich“ ein Plus von 6%. Die divergierende Wachstumsdynamik zwischen Industrie und Dienstleistungssektor kommt nicht überraschend. Sie hat sich schon seit längerem in ver-schiedenen Indikatoren wie beispielsweise den entsprechenden Einkaufsma-nagerindizes und den Daten zu Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätzen abgezeichnet.

Die andauernde Wachstumsverlangsamung gibt keinen Anlass zur Panik. Klar ist, dass sie sich auch in diesem Jahr fortsetzen wird. Die Neuausrichtung des chinesischen Wachstumsmodells und der Abbau der entstandenen Ungleichgewichte ist kein einfaches Unterfangen. Mit einem deutlichen Einbruch bei den realen Wachstumsraten rechnen wir hingegen nicht. Der Konsolidierungsprozess in der Industrie wird sicherlich auch noch über das Jahr 2016 hinaus andauern, die Investitionstätigkeit dürfte angesichts bestehender Überkapazitäten in einigen Branchen weiter an Fahrt verlieren. Anhaltend po-sitiv sollte sich 2016 hingegen der private Konsum entwickeln, worauf unter anderem die nach wie vor robusten Daten zu den Einzelhandelsumsätzen hin-deuten. Und nicht zuletzt haben die chinesische Regierung und Notenbank immer noch genügend wirtschaftspolitischen Handlungsspielraum, um einer übermäßigen Konjunkturabkühlung entgegenzuwirken. So gehen wir beispielsweise davon aus, dass die Notenbank in den kommenden Monaten den Mindestreservesatz für Banken weiter zurückführen wird, um die Kreditvergabe insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen zu stimulieren. Insgesamt rechnen wir mit einem BIP-Wachstum von 6,5% im laufenden Jahr. 2017 dürfte sich das reale Plus dann „nur“ noch auf rund 6% belaufen.

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Gregor Eder

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