China

Regierung stemmt sich gegen Wachstumsabschwächung

Nicht zuletzt dank der wirtschaftspolitischen Maßnahmen zur Stabilisierung der konjunkturellen Entwicklung konnte die chinesische Wirtschaft im zweiten Quartal dieses Jahres das Expansionstempo des vorangegangenen Quartals aufrechterhalten. Wir erwarten jedoch weiterhin eine Wachstumsabschwächung, nicht zuletzt angesichts des anhaltenden Konsolidierungsdrucks in der Industrie. Im Jahresdurchschnitt 2016 rechnen wir unverändert mit einem realen BIP-Anstieg von 6,5%.

Wie das nationale Statistikamt Chinas heute bekannt gab, ist die chinesische Wirtschaft im zweiten Quartal 2016 wie auch schon im vorangegangenen Quartal um 6,7% gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Einen maßgeblichen Anteil an dem unveränderten Expansionstempo hatten staatliche Konjunkturprogramme und hierbei insbesondere öffentliche Investitionsprojekte. Während die Investitionsausgaben von privaten Unternehmen kaum noch zulegten, nahm die Investitionstätigkeit von Staatsunternehmen weiterhin sehr kräftig zu.

Wir gehen davon aus, dass sich die schon länger andauernde graduelle Wachstumsverlangsamung in den kommenden Quartalen weiter fortsetzen wird. Der Konsolidierungsdruck in der Industrie ist nach wie vor sehr groß. Dies gilt insbesondere für Bereiche wie die Schwerindustrie, wo nach wie vor erhebliche Überkapazitäten bestehen. Vor diesem Hintergrund dürfte die Investitionstätigkeit der Unternehmen weiter an Fahrt verlieren, was wiederum das Wirtschaftswachstum dämpft. Angesichts des moderaten Expansionstempos des globalen Warenhandels sind auch die Aussichten auf deutliche Wachstumsimpulse vom chinesischen Außenhandel nur recht begrenzt. Daran dürfte auch die jüngste Abwertungsbewegung des Yuan wenig ändern. Seit Anfang Mai hat die chinesische Währung 2½% gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner an Wert verloren. Gegenüber dem US-Dollar summieren sich die Verluste auf etwas mehr als 3%. Wir rechnen auch in den kommenden Monaten mit einer Fortsetzung des moderaten Abwertungstrends. Bereits Anfang 2017 könnte ein US-Dollar bereits mehr als 7 Yuan kosten.

Anhaltend positive Wachstumsimpulse werden auch künftig vom privaten und vom staatlichen Konsum sowie von der öffentlichen Investitionstätigkeit ausgehen. Insgesamt dürfte sich das Wirtschaftswachstum weiter leicht abschwächen und sich der 6%-Marke von oben annähern. Ein deutlicher Konjunktureinbruch ist allerdings auf kurze bis mittlere Sicht nicht zu erwarten. Für das Gesamtjahr 2016 gehen wir unverändert von einem realen BIP-Wachstum von 6,5% aus.

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