China

Konjunkturstabilisierung hat derzeit wieder Vorrang

Die „kontrollierte Wachstumsverlangsamung“ hat sich auch im ersten Quartal 2016 fortgesetzt. Mit einem realen BIP-Anstieg von 6,7% gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum fiel das Plus so gering aus wie seit sieben Jahren nicht mehr. Ohne die ergriffenen wirtschaftspolitischen Maßnahmen zur kurzfristigen Konjunktur-stimulierung wäre die Abschwächung sicherlich stärker ausgefallen. Zwar legen die aktuellen Wirtschaftsdaten eine konjunkturelle Stabilisierung zum Ende des ersten Quartals nahe. Insgesamt dürfte sich der Trend hin zu einer spürbar moderateren wirtschaftlichen Entwicklung aber weiter fortsetzen. Im Jahresdurchschnitt 2016 rechnen wir unverändert mit einem realen BIP-Anstieg von 6,5%, nach 6,9% im Jahr 2015.

Anfang dieses Jahres sorgten die Befürchtungen, dass sich die chinesische Wirtschaft rascher als erwartet abkühlen könnte, für Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten. Diese Befürchtungen haben in den vergangenen Wochen spürbar nachgelassen. Tatsächlich deuten die jüngsten Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung auf eine Stabilisierung der Konjunkturdynamik zum Ende des ersten Quartals hin. Mit einem Plus von 1,7 Punkten verzeichnete der von Caixin erhobene Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe im März einen recht kräftigen Anstieg. Aktuell liegt der Index mit 49,7 Punkten nur noch knapp unter der Expansionsschwelle von 50 Punkten. Spürbar verbessert hat sich auch die Stimmung im Dienstleistungssektor. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex legte um einen Punkt auf nunmehr 52,2 Punkte zu. Etwas zuversichtlicher stimmen auch die aktuellen Daten zu Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätzen. Im März legte die Produktion um 6,8% gegenüber Vor-jahr zu, das war der stärkste Anstieg seit Juni letzten Jahres. Auch die Einzelhandelsumsätze zogen zum Quartalsende wieder etwas stärker an als in den beiden vorangegangenen Monaten.

Seit Jahren gleicht die Wirtschaftspolitik einer Gratwanderung. Auf der einen Seite ist es das erklärte Langfristziel der chinesischen Führung, den Strukturwandel weg von einem export- und investitionsgetriebenen Wachstumsmodell hin zu einem konsumgestützten Modell zu vollziehen und gleichzeitig gegen die in den vergangenen Jahren entstandenen makroökonomischen Ungleichgewichte vorzugehen. Auf der anderen Seite ist die Regierung aber auch bemüht, die kurzfristige wirtschaftliche Entwicklung zu stabilisieren, um eine übermäßige Wachstumsabschwächung und die damit verbundenen sozialen Kosten zu verhindern. Diese beiden Ziele sind nicht immer kompatibel. Wir haben den Eindruck, dass die Regierung derzeit der kurzfristigen Stabilisierung Vorrang vor den Strukturreformen einräumt.
Insgesamt gehen wir davon aus, dass es dank der bereits ergriffenen und noch zu erwartenden Maßnahmen seitens der Geld- und Fiskalpolitik gelingen wird, die chinesische Wirtschaft zumindest auf kurze Sicht auf dem Pfad einer „kontrollierten Wachstumsverlangsamung“ zu halten. Für das Gesamtjahr 2016 gehen wir unverändert von einem realen BIP-Wachstum von 6,5% aus.

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Gregor Eder

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