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Kehrtwende der Kapitalzuflüsse ist nicht nachhaltig

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Seit einigen Monaten erfreuen sich die Schwellenländer wieder großer Beliebtheit unter Portfolioinvestoren. Die Entwicklung ist aber nicht durch grundlegende Verbesserungen in den Schwellenländern selbst getrieben, sondern ist eher Ausdruck einer zumindest vorübergehend wieder erhöhten Risikobereitschaft an den internationalen Finanzmärkten.

Allianz SE
München, 15.09.2016
Allianz-

Betrachtet man aktuelle Konjunkturindikatoren wie beispielsweise Einkaufsmanagerindizes und „harte“ Konjunkturdaten zum Außenhandel und zur Industrieproduktion in den drei großen Schwellenlandregionen Asien, Lateinamerika und Osteuropa, so ergibt sich in der Breite aller Länder das Bild einer konjunkturellen Seitwärtsbewegung – also weder eine signifikante Wachstumsbeschleunigung noch eine signifikante Wachstumsverlangsamung. Eine der wenigen Ausnahmen ist Russland, wo sich nach dem scharfen Konjunktureinbruch im vergangenen Jahr derzeit zumindest eine konjunkturelle Stabilisierung abzeichnet.

Die verstärkten Kapitalzuflüsse in die Schwellenländer können also nicht allein auf ihre konjunkturelle Entwicklung zurückzuführen sein. Die Hauptgründe hierfür müssen im Umfeld der Schwellenländer zu finden sein. Tatsächlich haben in den vergangenen Monaten insbesondere zwei exogene Parameter eine Entwicklung genommen, die aus der Sicht von Emerging Market-Investoren für Engagements in dieser Ländergruppe durchaus günstig ist. Zum einen hat sich der zum Teil seit Jahren andauernde Preisverfall bei Energierohstoffen, Industriemetallen und agrarischen Rohstoffen nicht weiter fortgesetzt. Auch wenn das Bild nicht ganz einheitlich ist, kann man sagen, dass sich bei vielen Rohstoffen die Preise in den vergangenen Monaten doch zumindest befestigt haben. Das nimmt etwas Druck (nicht zuletzt von den Währungen) von denjenigen Schwellenländern, insbesondere in Lateinamerika, die im hohen Maße bei Ausfuhren und Steuereinnahmen abhängig von den Rohstofferlösen sind.

Zum anderen hat die amerikanische Notenbank Fed entgegen der zu Jahresbeginn vorherrschenden Markterwartung ihren Leitzins im bisherigen Jahresverlauf nicht weiter angehoben. Auch wenn die Fed in diesem Jahr zumindest noch einen Zinsschritt machen dürfte, vollzieht sich die geldpolitische Kurskorrektur in den USA offenbar langsamer als zunächst gemeinhin erwartet worden war. Gleichzeitig fahren andere Notenbanken wie die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan einen weiterhin sehr expansiven Kurs oder verschärfen diesen sogar. Zuletzt weitete auch die Bank of England ihren akkommodierenden Kurs aus. In der Summe bedeutet dies, dass uns das Niedrigzinsumfeld voraussichtlich noch für lange Zeit erhalten bleiben und damit auch die globale Jagd nach Rendite erst einmal weitergehen wird.

Von dieser Jagd nach Rendite profitieren die Schwellenländer, ohne dass sich die konjunkturelle Lage dort selbst substanziell verbessert hat. Daher muss man davon ausgehen, dass die Volatilität in den Kapitalströmen zwischen Industrie- und Schwellenländern in den kommenden Monaten erhöht bleiben wird. Sollte beispielsweise die amerikanische Notenbank Fed die Zinsen stärker und/oder zügiger anheben, als dies bislang von den Märkten eingepreist wird, könnten die Investoren rasch wieder von einem „risk-on“-Modus in einen „risk-off“- Modus umschalten und Kapital aus den Schwellenländern abziehen. Gleiches wäre auch im Falle negativer Wachstumsüberraschungen in China oder bei einem neuerlichen Einbruch der Rohstoffpreise denkbar. Von nachhaltigen Kapitalzuflüssen in die Schwellenländer kann also derzeit keine Rede sein.

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Gregor Eder

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