Deutschland: Die Binnennachfrage brummt

Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal 2016 mit 0,7% so stark gewachsen wie zuletzt im ersten Quartal 2014. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg mit rund 180.000 sogar so kräftig wie seit Anfang 2008 nicht mehr. Auch wenn der private Verbrauch in den ersten drei Monaten 2016 wohl nur moderat zulegte, so ist doch die Binnennachfrage der entscheidende Antrieb des Aufschwungs. Außergewöhnlich kräftig expandierten die Bauinvestitionen, aber auch die Ausrüstungsinvestitionen scheinen zunehmend Tritt zu fassen. Angesichts der Ausgaben für die Flüchtlinge hat auch der öffentliche Konsum deutlich zugenommen.

Nach wie vor werden jedoch Zweifel am Fortgang der kräftigen Konjunktur in Deutschland geäußert. So erwarten beispielsweise die Forschungsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten, dass sich die gesamtwirtschaftliche Produktion im weiteren Verlauf des Jahres spürbar langsamer ausweitet als zu Jahresbeginn. Kaum stimulierende Effekte gingen von der Weltkonjunktur auf die deutsche Wirtschaft aus. Ohne Zweifel hat eine schwache Weltwirtschaft Deutschlands Exportwachstum in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres und auch Anfang 2016 gedämpft, es mehren sich aber die Anzeichen, dass die Exportnachfrage wieder an Schwung gewinnt. Der Auftragseingang aus dem Ausland stieg im ersten Quartal 2016 gegenüber dem Vorquartal immerhin um 2%. Aus dem Nicht-EWU Ausland, das die für Deutschland wichtigen Schwellenländer umfasst, gingen sogar 2,6% mehr Aufträge ein. Daher gehen wir nach wie vor davon aus, dass der deutsche Export 2016 in einer Größenordnung von 3% zunimmt. Die Binnennachfrage dürfte um reichlich 2,5% steigen. Alles in allem halten wir an unserer Wachstumsprognose von 2,2% für das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2016 fest. Im weiteren Jahresverlauf wäre damit ein Wachstum von 0,5 - 0,7% pro Quartal verbunden.

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