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BoE liefert umfassendes Maßnahmenbündel

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Die Bank of England (BoE) hat ein umfassendes Bündel geldpolitischer Maßnahmen vorgelegt, um die negativen Auswirkungen der Brexit-Entscheidung auf die britische Wirtschaft abzufedern.

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München, 04.08.2016

Wie erwartet, senkte die britische Notenbank den Leitzins von 0,5% auf ein neues historisches Tief von 0,25%. Darüber hinaus vergrößerte sie das Wertpapierkaufprogramm um 70 Milliarden Pfund. Im Rahmen dieses Programms sollen nun auch Unternehmensanleihen gekauft werden. Um die negativen Auswirkungen der Niedrigzinsen auf die Banken abzufedern, wurde das Funding for Lending Scheme wieder ins Leben gerufen. Zusammengenommen werden die Maßnahmen die BoE-Bilanz um bis zu 170 Milliarden Pfund vergrößern.

Die Größe und Breite des Maßnahmenbündels hat den Markt positiv überrascht. Die Zinssenkung, die erste in mehr als sieben Jahren, war zwar bereits  voll vom Markt eingepreist, zumal die Notenbank einen solchen Schritt bei der letzten geldpolitischen Sitzung vor drei Wochen in Aussicht gestellt hatte. Die Ausweitung des QE-Programms um 70 Milliarden Pfund hingegen übertraf die Markterwartungen. Die BoE kündigte an, nicht nur Staatsanleihen in Höhe von 60 Milliarden Pfund zu kaufen, sondern auch Anleihen von britischen Unternehmen in Höhe von 10 Milliarden Pfund.

Der Umfang des Maßnahmenbündels zeigt, dass die BoE die Auswirkungen von Brexit auf die britische Wirtschaft äußerst negativ einschätzt. Die Notenbank korrigierte ihre Wachstumsprognosen deutlich nach unten. Für 2017 erwartet die BoE nur noch ein BIP-Wachstum von 0,8%, statt bisher 2,3%. Die Inflationsprognose für 2017 hingegen wurde angesichts der zu erwartenden steigenden Importpreise von 1,5% auf 1,9% angehoben. Harte Daten liegen zwar noch nicht vor, aber Umfragen bei Unternehmen und Verbrauchern deuteten zuletzt auf eine klar ungünstigere konjunkturelle Entwicklung hin. Sorgen bereitet insbesondere die Verschlechterung der Stimmung im Dienstleistungssektor, welcher fast 80% der Wirtschaftsleistung ausmacht. So ist der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor für den Monat Juli auf 47,4 Punkte gefallen, dies ist der niedrigste Stand seit dem Krisenjahr 2009.

Die BoE lässt sich keine Zeit für eine vorsichtige Dosierung ihrer Politik, um die britische Wirtschaft zu stabilisieren. Mit ihrem entschlossenen Handeln ist sie bemüht, einer möglichen harten Landung entgegenzutreten. Darüber hinaus hat BoE Gouverneur Mark Carney betont, dass die Bank bereit steht, weitere Maßnahmen zu ergreifen, falls sich die Wirtschaft schlechter entwickelt, als derzeit erwartet wird. Diese Aussagen tragen sicherlich dazu bei, die zunehmende Unsicherheit in den Wirtschaftserwartungen einzudämmen, ihre realwirtschaftliche Auswirkung wird allerdings begrenzt sein. Auch wäre es ratsam, wenn die BoE in den kommenden Monaten zunächst eine abwartende Haltung einnehmen würde, um den heute beschlossenen Maßnahmen Zeit zu geben, ihre Wirkung zu entfalten und die Folgen für die britische Wirtschaft besser abschätzen zu können. Das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU dürfte sich als ein längerer, von erhöhter wirtschaftlicher Unsicherheit geprägter Prozess erweisen. Daher wäre es sicher gut, wenn die BoE nicht direkt zu Beginn der Reise all ihr Pulver verschießt, sondern handlungsfähig bleibt.

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Katharina Utermöhl

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