Economic ResearchPublikationenSpezialthemenDie deutsche Rentenversicherung nach der Riester-Reform

Die deutsche Rentenversicherung nach der Riester-Reform

Service & Kontakte

Dr. Lorenz Weimann

Allianz SE
Tel. +49.69.24431-3737
Fax +49.69.24431-6791

E-Mail senden

Wir informieren Sie zeitnah über News und Termine der Allianz Gruppe.

Abonnieren

Folgen Sie uns auf Twitter.

Mehr

  • Kontakt

  • Newsletter

  • Social Media

Die Einführung der Rentenreform und Riester-Rente im Jahr 2001 war nur ein erster Schritt zum Umbau des Rentensystems. Der Reform folgte bald Ernüchterung. So erschweren unter anderem die hohen Arbeitslosenzahlen der letzten Jahre die Finanzierbarkeit der Renten. Die größten Risiken resultieren jedoch aus der demographischen Entwicklung selbst. An weiteren Schritten zum Ausbau der kapitalgedeckten Altersvorsorge führt deshalb kein Weg vorbei.


, 18.07.2003

Im Zuge des Alterungsprozesses der Bevölkerung wird der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung weiter deutlich sinken; gleichzeitig wird der Anteil der alten Menschen, der Über-65 Jährigen, drastisch steigen. Dies führt zu einer Verschlechterung des so genannten Altenquotienten, der das Verhältnis der Über-65-Jährigen zu den 15- bis 64-Jährigen misst: Er klettert von derzeit etwa 24 % auf gut 50 % im Jahr 2050. In einem umlagefinanzierten Rentensystem entstehen damit enorme budgetäre Probleme.

Das stellt die Politik vor große Herausforderungen in vielen Bereichen. Und das Besondere und damit schwer zu handhabende an diesen Problemen ist, dass sie sich erst langfristig auswirken. Dabei sind die Möglichkeiten in unserem umlagefinanzierten Rentensystem mittlerweile begrenzt, es ist in einem Teufelskreis gefangen: Setzt man auf der Beitragsseite an, so schwächen die höheren Abgaben die Leistungskraft der Wirtschaft und schmälern ihr Wachstum. Die Summe der Einkommen, die für die Befriedigung der Rentenansprüche zur Verfügung steht, nimmt deshalb ab; als Folge wird eine weitere Runde von Maßnahmen zur Sicherung der Renten erforderlich. Setzt man an der Ausgabenseite an, so läuft es direkt auf eine Verringerung des Rentenniveaus hinaus.

Auf welchem Weg befinden wir uns heute mit unserem dreiteiligen System der Altersvorsorge nach der Rentenreform 2001? Reichen die bereits getroffenen Maßnahmen? Werden die eingeleiteten Reformen zu einer Entlastung des umlagefinanzierten gesetzlichen Rentensystems führen?

In unserer Publikation zeigen wir auf, dass Kernpunkte weiterer Rentenreformen in Deutschland eine Erhöhung des effektiven Rentenzugangsalters und die Senkung des Leistungsniveaus bei gleichzeitiger Stärkung der kapitalgedeckten Elemente sein müssen. Ein höheres Rentenalter wirkt mehrfach: Es erhöht die Zahl der Beitragszahler, verringert die Zahl der Rentenempfänger und verkürzt die Rentenbezugszeit. Ein großer Schritt wäre es schon, wenn das tatsächliche Rentenzugangsalter, das zurzeit bei rund 61 Jahren liegt, näher an das gesetzliche Rentenalter von 65 Jahren rücken würde. Eine weitere Leistungsniveausenkung der gesetzlichen Rente über das beschlossene Maß hinaus ist angesichts der demographischen Entwicklung und der Belastbarkeitsgrenze der Beitragszahler unvermeidlich.

Aus all diesen Gründen ist der weitere Ausbau der kapitalgedeckten Altersvorsorge daher dringend notwendig. Der große Vorteil einer kapitalgedeckten Rente liegt darin, dass sie die Altersvorsorge direkt in die Hand der Betroffenen legt, die ihre Zukunft durch eigene Sparleistungen sichern. Dies schafft Anreize, mehr zu arbeiten und mehr zu sparen und steigert die Wachstumsdynamik der gesamten Volkswirtschaft. Die aus unserer Sicht wahrscheinlichen Veränderungen im Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung werden bei den Privaten Haushalten voraussichtlich Verhaltensänderungen bewirken. Die Sparneigung dürfte zunehmen und in den kommenden 10 bis 20 Jahren zu einer höheren Ersparnis führen. Danach erwarten wir aufgrund eines beginnenden Entsparprozesses in der älteren Bevölkerung insgesamt einen spürbaren Rückgang der Spartätigkeit. Auf makroökonomischer Ebene wirken sich diese Entwicklungen auf Wirtschaftswachstum und Leistungsbilanz aus: Das Wirtschaftswachstum dürfte durch das erhöhte Sparen, das mit Konsumzurückhaltung verbunden ist, kurzfristig gebremst werden. In der Leistungsbilanz könnten sich ab etwa 2025 die Vorzeichen ändern: Aus Überschüssen könnten Defizite werden. Auf einzelwirtschaftlicher Ebene muss sich jeder bewusst machen, dass die finanzielle Versorgung im Ruhestand zunehmend in die Hände des Einzelnen gelegt werden wird.