Energie für die Welt von morgen – Trends, Szenarien, Zukunftsmärkte

Die Struktur der weltweiten Energieversorgung wird sich in den kommenden Jahrzehnten grundlegend ändern. Dabei werden erneuerbare Energien zunehmend an Bedeutung gewinnen. Ursache für den Umbruch in der Energiewirtschaft wird ein deutlicher Preisanstieg für die knapper werdenden fossilen Brennstoffe sein. Hinzu kommen Klimaschäden, die dem Einsatz von Öl und Kohle zur Energiegewinnung schon heute Grenzen setzen. Die Energieprobleme werden nur durch den Ausbau umweltfreundlicher Energieträger sowie die effizientere Erzeugung und Nutzung von Energie zu lösen sein.

In den kommenden Jahrzehnten sehen wir erhebliche Investitionen in Techniken zur rationellen Energieumwandlung und Energienutzung. Auch der Anteil erneuerbarer Energieträger wird deutlich steigen. Die Wasserstofftechnologie kann die Nutzungsgrenzen von erneuerbaren Energien erheblich erweitern. Dies setzt aber zunächst eine wesentlich stärkere Nutzung dieser Energiequellen voraus. Den gängigen Prognosen, wonach der Weltenergieverbrauch im Jahre 2030 um 60 Prozent über dem heutigen Niveau liegt und auch dann noch vorwiegend mit fossilen Brennstoffen gedeckt wird, stellen wir ein Szenario gegenüber, in dem es im Laufe der nächsten Jahrzehnte zu tief greifenden Veränderungen des Energiesystems kommt.

Auf der Basis verbesserter Technologien wird langfristig auch Kohle noch stärker zur Stromerzeugung genutzt. Grund dafür ist die voraussichtlich ab 2020 mögliche emissionsfreie Verstromung der Kohle. Für Erdgas sind die Perspektiven bereits auf mittlere Sicht überaus günstig, vor allem, weil neue Märkte in Schwellenländern erschlossen und Gas zunehmend in Kraftwerken eingesetzt wird. Die Substitution von Kohle und Öl durch Erdgas ist darüber hinaus ein wirksamer Schritt zur Entschärfung der Klimaproblematik. Allerdings erfordert der steigende Erdgasverbrauch in den nächsten Jahren weltweit erhebliche Investitionen der Gaswirtschaft. Denkbar ist auch eine Renaissance der Kernenergie: Technisch weiterentwickelte Kraftwerkstypen der vierten Generation werden etwa ab dem Jahr 2020 Marktreife erreichen und deutlich weniger radioaktive Abfälle verursachen.

Der zuletzt stark gestiegene Ölpreis ist unserer Einschätzung nach kein Zeichen für die drohende Verknappung der Ölreserven. Selbst wenn der Ölverbrauch weiter steigt, reichen die Reserven noch bis weit in die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts. Das Angebot an Öl kann aufgrund ausgeweiteter Kapazitäten schon in wenigen Jahren deutlich steigen. Ein Sinken des Ölpreises auf ein Niveau von unter 30 Dollar pro Fass ist allerdings unwahrscheinlich. Dagegen sprechen die immer schwierigere Suche nach neuen Ölvorkommen, die steigenden Kosten der Förderung und die zunehmende Preismacht der OPEC-Länder.

Für Kapitalanleger sehen wir besonders gute Wachstumschancen bei Technologien für eine effizientere Stromversorgung (Kraft-Wärme-Kopplung, fossile Kraftwerkstechnik, dezentrale Energiesysteme) sowie Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz beim Endverbraucher. Aber auch erneuerbare Energien im Verbund mit dezentralen Energiesystemen und der Erdgasmarkt sollten bei der Zusammenstellung eines Energieportfolios in jedem Fall Beachtung finden.

Neben Investments, die auf eine nachhaltige Energieversorgung ausgerichtet sind, versprechen auch die klassischen Energiewerte in den kommenden Jahren unserer Ansicht nach eine überdurchschnittliche Performance; vor allem dann, wenn der Ölpreis hoch bleibt.

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