2010 - eine Zwischenbilanz

Das Jahr 2010 schreitet voran. Für ein wirtschaftliches Fazit  ist es noch zu früh, eine Zwischenbilanz lässt sich jedoch ziehen. Konjunkturell hat das Jahr bisher ganz überwiegend die Erwartungen erfüllt. Die Weltwirtschaft hat sich weiter von der Krise erholt, sogar deutlich stärker als Ende vergangenen Jahres von internationalen Organisationen wie dem IWF erwartet. Besonders heftig unterschätzte der IWF dabei die deutsche Wirt-schaft, dessen Prognose Ende vergangenen Jahres nur ein Wachstum von 0,3% voraussagte.

Wir hatten erwartet, dass Volkswirtschaften mit geringen Schuldenproblemen sich ra-scher aus der Krise lösen und stärker wachsen werden als solche mit großen Schulden-problemen. Dies hat sich 2010 bestätigt. Das hohe Wachstum Chinas, aber auch der Wachstumsvorsprung Deutschlands im Euro-Raum sind Belege dafür. Sehr ausgeprägt ist derzeit das Konjunkturgefälle im Euro-Raum. Länder, die im staatlichen und privaten Sektor inmitten einer Konsolidierung stehen, hinken bei der Konjunkturerholung hinterher. Auch in den USA zeigen sich mehr und mehr die konjunkturellen Belastungen, die von den erforderlichen Sparanstrengungen insbesondere der privaten Haushalte ausgehen. Die Konjunkturerholung hat in den USA spürbar an Schwung verloren. Die USA wird auf absehbare Zeit nicht mehr die Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft sein. Dies war zu erwarten. Ein Abgleiten der USA in eine neue Rezession ist deswegen aber nicht vorprogrammiert.

Dr. Michael Heise

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