Financial Market Outook: Ist der Renditerückgang dauerhaft?

Gegensätzlicher könnte die Situation kaum sein. In Diskussionsrunden in Rundfunk und Fernsehen ist das Inflationsthema ein Dauerbrenner, in Edelmetallgeschäften stehen die Kaufinteressenten Schlange. An den großen Anleihemärkten fallen dagegen die Renditen ins Bodenlose, als ob Inflation auf absehbare Zeit völlig ausgeschlossen wäre. Renditen von deutschen Staatsanleihen erreichten Ende Mai historische Tiefstände und auch die US-amerikanischen Langfristzinsen bewegen sich auf einem außergewöhnlich niedrigen Niveau. Staatsanleihen in Hülle und Fülle konnten weder zu einem Preisrückgang noch zu Zinserhöhungen führen.

Hat die Theorie ausgedient, dass Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen? Müssen wir uns dauerhaft – wie dies bereits in Japan der Fall ist – mit einem extrem niedrigen Zinsniveau abfinden? Wir sind der Meinung, dass beim Verwerfen von grundlegenden wirtschaftlichen Theorien und Erklärungen Vorsicht geboten ist. Wirklich fundamental neue Strukturen sind seltener als bisweilen behauptet. Es sei nur daran erinnert, dass vor wenig mehr als einem Jahrzehnt die These der neuen Ökonomie die Kurse der Aktien und im Zuge dessen auch die Kurs-Gewinn-Verhältnisse in ungeahnte Höhen trieb. Wie wir heute wissen, war dies nichts als eine Blase.

Dr. Michael Heise

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