Wo die klugen Sparer leben

Das Geldvermögen der privaten Haushalte ist in den meisten Ländern der Eurozone seit 2003 – ungeachtet der Finanz- und Eurokrise – deutlich gestiegen. Hinter diesem Wachstum stehen zwei verschiedene Treiber: frische Spargelder sowie Wertsteigerungen, z.B. in Form von steigenden Aktien- oder Anleihekursen. Der Anteil der beiden Komponenten am Wachstum ist in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. Während in Irland mehr als 90% des Vermögenswachstums auf Wertsteigerungen zurückzuführen waren, waren es in Deutschland nur 7%. Insgesamt entfallen im Eurozonen-Durchschnitt 41% des Vermögenswachstums auf Wertsteigerungen.

Im Umkehrschluss sind knapp 60% des Vermögenswachstums auf neue Ersparnisse zurückzuführen. Grundsätzlich speisen sich diese Spargelder entweder aus Kapitalerträgen oder aus Erwerbseinkommen. Die Verwendung von Kapitalerträgen ist dabei der intelligentere Weg: Erhaltene Zinsen oder Dividenden werden für den Kauf neuer Finanzanlagen verwendet; teilweise geschieht dies sogar automatisch, z.B. bei thesaurierenden Fonds. Wenn sich die Kapitalerträge als größer als die gewünschten Ersparnisse herausstellen, kann ein Teil dieser Einnahmen für den Konsum verwendet werden. Im umgekehrten Fall muss ein Teil des Erwerbseinkommens verwendet werden, um die "Sparlücke" zur erwünschten Ersparnis zu schließen. Infolgedessen steht weniger Erwerbseinkommen für den Konsum zur Verfügung. Pointiert zusammengefasst: Das Geld kann für den Sparer arbeiten (Kapitalerträge sind größer als die gewünschten Ersparnisse) oder der Sparer für das Geld (gewünschte Ersparnisse sind größer als die Kapitalerträge).

Betrachtet man die Länder der Eurozone, so zeigt sich, dass lediglich in zwei Ländern private Haushalte ihr Erwerbseinkommen nutzen müssen, um Sparlücken zu schließen: Österreich und Deutschland. Während der Grund hierfür bei ersteren in relativ niedrigen Kapitalerträgen zu finden ist, kommt bei letzteren der hohen Sparquote (d.h. der hohen gewünschten Ersparnis) eine Schlüsselrolle zu. In allen anderen Ländern können die Haushalte ihre Kapitalerträge dazu nutzen, um den Konsum zu stützen, allen voran in den Niederlanden.

Erhebliche Sparbemühungen aus dem Erwerbseinkommen sind ein Ausgleich für niedrige Vermögensrenditen, d.h. sie gleichen das Fehlen von Kapitalerträgen und Wertsteigerungen aus. Dies wird durch die Daten eindeutig belegt: Neben dem krisengeplagten Griechenland, weisen Deutschland und Österreich die niedrigsten Vermögensrenditen auf, nämlich 2,8% bzw. 2,9% für den Zeitraum seit 2003.

Was sind die Gründe für diese eher mageren Renditen? Ein Vergleich zwischen Spanien (Anlagerendite von 5,1%) und Deutschland (2,8%) ist in dieser Hinsicht sehr aufschlussreich. Beide Länder verzeichneten seit 2003 jeweils einen Anstieg des Geldvermögens um rund 70% pro Kopf. Im Falle Deutschlands stammt jedoch ein Viertel des Anstiegs aus Ersparnissen aus dem Erwerbseinkommen. Ganz anders sieht die Lage in Spanien aus: Die Haushalte rühren ihr Erwerbseinkommen nicht für Sparzwecke an, sondern nutzen ganz im Gegenteil die Hälfte ihrer Kapitalerträge für den Konsum. Diese starken Unterschiede sind auf ein unterschiedliches Sparverhalten zurückzuführen, das sich im Portfoliomix widerspiegelt. Besonders eine Zahl sticht ins Auge: Aktien (börsennotiert und nicht börsennotiert) machen 7% des Portfolios der deutschen Haushalte aus; in Spanien ist dieser Anteil mehr als dreimal so hoch (22%).

Die Wirkung des Sparverhaltens auf Wertzuwachs und Kapitalerträge werden an dieser Stelle deutlich: Die konservative Sparmentalität der Deutschen drückt sich nicht nur in niedrigeren Kapitalerträgen – besonders in Zeiten von Nullzinsen –, sondern auch in einem geringeren Wertzuwachs aus: Eine geringere Aktienquote beraubt die deutschen Sparer gleichzeitig der Chance von höheren, zins-unabhängigen Kapitalerträgen sowie höheren Wertzuwächsen zu profitieren.

Unterm Strich: Finanzielle Vermögenswerte können auch in einem Nullzinsumfeld wachsen. Dafür gibt es zwei Wege: Entweder erwirtschaften Sparer hohe Renditen, indem sie ihr Anlageverhalten stärker auf die Kapitalmärkte ausrichten oder sie nutzen einen größeren Teil ihrer Erwerbseinkommen zum Sparen. Es ist die Wahl zwischen „smartem“ und „hartem“ Sparen.

Pressekontakt

Lorenz Weimann
Allianz SE