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Staatsverschuldung in der Eurozone - Quo vadis?

  • Das "Whatever it takes!" zur Abfederung der Pandemiefolgen hat im Jahr 2020 zu einer deutlichen Verschlechterung der Staatsfinanzen in der Eurozone geführt. Allerdings zeichnet sich ein sehr heterogenes Bild auf Länderebene ab: Sieben Länder (Griechenland, Italien, Portugal, Spanien, Zypern, Frankreich und Belgien, die zusammen mehr als 50% des BIP der Eurozone repräsentieren) weisen inzwischen Schuldenquoten nahe oder über 120% des BIP auf, d.h. das Doppelte des Maastrichter Schuldenziels.
  • Es wird schwierig, den Covid-19-Schuldenüberhang abzubauen: In den Jahren 2021-22 wird sich die Schuldenquote der Eurozone weitgehend bei etwa 100% stabilisieren, da die Defizite weiterhin überproportional hoch sind. Aber wie es nach 2022 weiter geht, hängt auch von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Unser interaktives Schulden-Tool zeigt die Bandbreite möglicher Ergebnisse, die die Entwicklung der Staatsverschuldung in einigen ausgewählten Ländern der Eurozone über einen 15-Jahres-Horizont beeinflussen. Die wichtigste Erkenntnis: Solange die Schwergewichte der Eurozone, darunter Frankreich, Spanien und Italien, keinen nennenswerten Anstieg des nominalen BIP-Wachstums und/oder keine Verbesserung der Primärsalden verzeichnen, ist eine Rückkehr zum Schuldenstand von vor der Krise bis 2035 eindeutig nicht zu erwarten. Insbesondere bei einer Rückkehr zu einem fiskalischen "business as usual" - d.h. zum durchschnittlichen nominalen Wachstum und Primärsaldo, wie sie im Zeitraum 2000-19 beobachtet wurden - würden sich die Staatsschuldenquoten in den wichtigsten Volkswirtschaften in den nächsten 15 Jahren weitgehend seitwärts bewegen. Während Deutschland bis 2028 wieder das Schuldenniveau von vor Covid-19 erreichen würde, bräuchten andere Schwergewichte der Eurozone viel länger (Frankreich 67 Jahre, Italien 26 Jahre und Spanien 89 Jahre).
  • Welche Auswirkungen hat das auf die EU-Finanzpolitik, wenn 90% die neuen 60% sind? Die Konsequenzen der Pandemie werden langfristig Einfluss auf die öffentlichen Finanzen der Region haben, nicht nur in Form eines anhaltenden Schuldenüberhangs, sondern auch durch einen möglichen Paradigmenwechsel  in Bezug auf öffentliche Schulden und Finanzpolitik.  Umso wichtiger ist es, die Solidität der Fiskalpolitik und damit die Schuldentragfähigkeit sicherzustellen. Kosmetische Maßnahmen, wie die getrennte Ausweisung des Covid-19-Schuldenüberhangs von der übrigen Staatsverschuldung oder kontroversere Vorschläge wie die Streichung der von der EZB gehaltenen Staatsschulden, werden nichts an der grundlegenden Situation ändern. Sie könnten sogar die fiskalische Glaubwürdigkeit untergraben.

Der Bericht ist nur auf Englisch verfügbar.

Kontakt

Katharina Utermöhl
Allianz SE