Allianz Global Insurance Report 2020: Skyfall

Dann traf Covid-19 die Weltwirtschaft wie ein Meteorit. Der plötzliche Stopp der Wirtschaft wird auch die Nachfrage nach Versicherungen hart treffen: Das globale Prämienaufkommen dürfte 2020 um 3,8% zurückgehen, mit stärkeren Verlusten im Leben- (-4,4%) als im Sach-geschäft (-2,9%). Die Auswirkungen der Corona-Pandemie dürften damit dreimal so kräftig ausfallen wie die der Finanzkrise vor zehn Jahren, als die globalen Prämien um 1% sanken. Verglichen mit dem erwarteten Trend vor Corona bedeutet dies ein Verlust an Prämien von rund EUR 360 Mrd. (Leben: EUR 250 Mrd. und Sach: EUR 110 Mrd.)

 

2020 ist an das Virus verloren, darüber bestehen keine Zweifel mehr. Interessanter ist die Frage, was danach kommt. Wir sehen insbesondere drei Trends, die durch Covid-19 deutlich an Schärfe gewinnen werden: Die Digitalisierung des Geschäftsmodells, die Hinwendung nach Asien und die wachsende Bedeu-tung von ESG-Faktoren. Asiatische Versicherer sind in der Technologie führend, europäische Anbieter haben bei ESG die Nase vorne. Aber die Vorherrschaft im globalen Versicherungsmarkt wird sich in Asien entscheiden – asiatische Haushalte werden die globale Nachfrage nach Versicherungen maßgeblich treiben.

Der Allianz Global Insurance Report

Westeuropa verzeichnete 2019 ein Prämienwachstum von 4,3%, gegenüber 3,8% im Jahr zuvor. Beide Segmente, sowohl Leben als auch Sach, trugen dazu bei, wobei Leben ein starkes Wachstum von 5,1% erzielte – erst das zweite Mal seit der Finanzkrise, dass der Zu-wachs über 5% lag –, während Sach um 2,5% zulegte, nach 3,5% 2018. Die Gesamtprämieneinnahmen erreichten EUR 1.063 Mrd., wovon beinahe drei Viertel auf die „Großen 4“ (Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien) entfielen. 2020 dagegen wird heraus-fordernd für Westeuropa, milde gesagt: Die Prämieneinahmen dürften um kräftige 4,7% zurückgehen (Leben. -4,8%, Sach: -4,5%), da die Region eine der weltweit am härtesten von der Corona-Pandemie betroffenen ist. Die langfristigen Aussichten sehen ein bisschen besser aus: Westeuropa wird 2021 zum Wachstum zurückkehren und 2022 dürfte das Prämienniveau aus Vor-Corona-Zeiten wieder erreicht werden. Bis 2030 dürfte die jährliche durchschnittliche Wachstumsrate bei 2,2% liegen, etwas über den Wert der Vordekade. Leben- und Sachgeschäft sollten dabei ungefähr im selben Tempo wachsen. 

 

Nach dem herausfordernden Jahrzehnt, das auf die Finanzkrise folgte, erwies sich die schlachterprobte europäische Versicherungsindustrie erstaunlich widerstandsfähig in der Pandemie. Der Ausblick dagegen ist weniger ermutigend. Wie in anderen Bereichen fällt Europa weiter hinter die USA und insbesondere Asien zurück. Noch kurz vor der Finanzkrise lag Europas Weltmarktanteil etwa gleichauf mit dem der USA – und weit vor dem Asiens. Am Ende dieser Dekade wird Europa sechs Prozentpunkte hinter den USA und 15 hinter Asien liegen. Covid-19 solle als Weckruf verstanden werden, dass Europa endlich sein Potenzial für höheres und inklusiveres Wachstum ausschöpft.

 

Der Bericht ist nur auf Englisch verfügbar.

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