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Amerika hat gewählt

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Mit Donald Trump zieht ein Präsident in das Weiße Haus ein, der aufgrund seiner häufig extremen Positionen, seiner Provokationen und seiner regelmäßigen Kehrtwendungen außergewöhnlich hohe Unwägbarkeiten und Risiken für die nächste Legislaturperiode mit sich bringt. Auch wenn die Realitäten des Amts sowie der Kongress als Korrektiv wirken können und Trump davon abhalten, seine Wahlversprechen eins zu eins umzusetzen, spricht die tiefe Spaltung der amerikanischen Gesellschaft dafür, dass die Politik den langfristigen Wachstumsausblick für die US-Wirtschaft fortan klar negativ beeinflusst. Kurzfristig dürfte die US-Notenbank darauf verzichten, die Zinsen weiter zu erhöhen. Mittelfristig wird die Trump’sche Politik aber zu einem höheren Defizit und Handelseinschränkungen führen. Über kurz oder lang wird dies auch die Inflation anheizen und die Fed dazu zwingen, die Zinsen zu erhöhen; auch die Bondrenditen werden dann steigen. In der Wirtschaftspolitik wird sich damit der Akzent deutlich von monetären hin zu fiskalischen Impulsen verschieben.

Allianz SE
München, 09.11.2016
Allianz-

Marktreaktionen

 

Die Risiken einer Trump-Präsidentschaft sind an den Märkten nicht voll eingepreist. Ein Sieg Trumps wird daher einen Flucht in die Sicherheit und eine sprunghaft ansteigende Volatilität auslösen. Aktien und Unternehmensanleihen werden in diesem Umfeld unter Abgabedruck geraten; gleiches ist für die Währungen der NAFTA-Partner Kanada und Mexiko sowie vieler Emerging Markets zu erwarten. Alle sicheren Anlagehäfen außerhalb der USA dürften dagegen profitieren: Die Rendite deutscher Staatsanleihen wird sinken und die Differenz zu entsprechenden US Treasuries wird sich ausweiten. Eine Leitzinserhöhung der Fed im Dezember ist damit so gut wie ausgeschlossen.

 

Mittelfristig sind die Marktreaktionen schwieriger vorherzusagen. Dies liegt einerseits an den ersten Schritten der neuen US-Administration, die eventuell doch noch ökonomische Vernunft erkennen lässt, und andererseits an den weiteren Reaktionen der Zentralbanken. Angesichts einer potenziell erratischen US-Wirtschaftspolitik muss jedoch auf absehbare Zeit mit erhöhter Marktvolatilität gerechnet werden.

 

Die Realitäten des Amts

 

Unter den Wahlversprechen Trumps finden sich weitreichende (nicht gegenfinanzierte) Steuersenkungen, höhere Zölle für wichtige Handelspartner und die Ausweisung von 11 Millionen illegalen Einwanderern. Selbst mit einer republikanischen Mehrheit im Kongress werden diese Pläne nicht Realität werden. Denn sie stehen in vielerlei Hinsicht im Gegensatz zu traditionellen republikanischen Positionen: Große Teile der Partei sind nach wie vor für Freihandel, einen ausgeglichenen Haushalt und (gut gemanagte) Immigration. Mit Blick auf die nächsten Wahlen 2018 können es sich die republikanischen Abgeordneten zwar nicht erlauben, „ihren“ Präsidenten vollständig auszubremsen. Aber sie werden ihm auch nicht einen Blankoscheck fürs Schleifen republikanischer Grundüberzeugungen ausstellen. Die nächsten Jahre werden daher von der Gratwanderung der Republikaner gekennzeichnet sein, Trump in die Schranken zu weisen, ohne ihn aber zu demontieren. Dabei ist aber davon auszugehen, dass die Partei-Elite das (unausgesprochene) Ziel verfolgt, eine Wiederwahl Trumps 2020 zu verhindern.

 

Angesichts dieser mangelnden gestalterischen Möglichkeiten wird sich Trump zumindest anfänglich darauf fokussieren, die Politik seines Vorgängers abzuwickeln. Er wird viele von Obamas Dekreten (executive orders) aufheben – und damit die regulatorische Unsicherheit erhöhen. Auch wird er versuchen, „Obamacare“ durch ein anderes gesundheitspolitisches Programm zu ersetzten – mit wahrscheinlich nur begrenztem Erfolg.

 

Wirtschaftlicher und politischer Ausblick

 

Wenn es Präsident Trump gelänge, auch nur Teile seiner Wahlversprechen umzusetzen – zum Beispiel die partielle Ausweisung nicht registrierter, aber beschäftigter Einwanderer oder die Einführung von höheren Zöllen – würde sich dies unweigerlich in höherer Inflation und schwächerem Wachstum niederschlagen (geringeres Arbeitsangebot, höherer Lohndruck und/oder höhere Importpreise). Die Steuer- und Ausgabenpläne würden diese Effekte durch höhere Budgetdefizite und eine weiter deutlich steigende Staatsverschuldung noch verstärken. Selbst die geplanten Steuersenkungen dürften kaum wachstumsfördernd wirken, denn niedrigere Steuern sollen überwiegend den Beziehern hoher Einkommen zu Gute kommen, die aber im Vergleich zum Durchschnitt eine niedrigere Konsumquote aufweisen: Die Nachfrageeffekte wäre daher nur gering. Insgesamt ergibt sich das Bild einer isolierteren und schwächeren US-Wirtschaft.

 

Die globalen Auswirkungen

 

Auch wenn Präsident Trump keinen Handelskrieg anzettelt, liegen die Bemühungen um eine weitere Liberalisierung fortan auf Eis. TTP und TTIP sind mehr oder weniger tot. Die Weltwirtschaft wird sich in den nächsten Jahren daher mit einem überholten Ordnungsrahmen arrangieren müssen. In der Außenpolitik hat Trump radikale Positionen erkennen lassen: Entzug des Beistands für (NATO-) Verbündete, Förderung der weltweiten nuklearen Aufrüstung, Kündigung des Iran-Abkommens und Schulterschluss mit Putins Russland. Die Chancen auf Umsetzung sind zum Glück gering. Aber die Kombination aus Trumps Unerfahrenheit in außenpolitischen Fragen mit den umfangreichen Kompetenzen, die ein amerikanischer Präsident in diesen Fragen genießt, lässt für die Zukunft nichts Gutes erwarten und macht den Ausblick im höchsten Maße unsicher. Steigende geopolitische Spannungen könnten rechten Parteien in anstehenden Wahlen (z.B. in den Niederlanden, Frankreich oder Deutschland) Auftrieb verschaffen und drücken aufs Investitionsklima.

 

Quo vadis America?

 

Die Wahl hat die tiefen politischen, ökonomischen und kulturellen Risse, die sich durch das Land ziehen, noch vertieft. Der politische Anstand ist dabei auf der Strecke geblieben – und dürfte auch so schnell nicht wiederherzustellen sein. Das politische System der USA hat dem Populismus Auftrieb verliehen. Trumps Politik könnte die bereits starke Einkommensungleichheit weiter verstärken. Das Resultat ist ein Land, das auch in den nächsten vier Jahren tief gespalten bleibt. Das politische System der USA wird in den kommenden Jahren nicht effizienter werden.

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Dr. Michael Heise

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