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Jahresausblick 2017: Zuversicht trotz vieler Risiken

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Wahlen in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden, Amtseinführung des designierten US-Präsidenten Donald Trump, Beginn der Brexit-Verhandlungen  – angesichts der erhöhten Unsicherheit über die politische und wirtschaftliche Entwicklung im kommenden Jahr ist eigentlich nur eines gewiss:  2017 wird ein ereignisreiches und spannendes Jahr werden.

Allianz SE
München, 22.12.2016
Allianz-

Viele Unbekannte

 

Prognostiker stehen erneut vor der schwierigen Aufgabe, die Auswirkungen der politischen Unsicherheit auf die Wirtschaftsentwicklung abzuschätzen. Im vergangenen Jahr hat sich die Wirtschaft gegenüber unerwarteten Schocks als recht widerstandsfähig erwiesen. Weder die Brexit Entscheidung in Großbritannien, noch die Wahl Donald Trumps oder das gescheiterte Referendum in Italien haben die Wirtschaftsteilnehmer nachhaltig verunsichert. Die Weltwirtschaft ist zwar im vergangenen Jahr nur um 2,4 % gewachsen, aber das lag in weit stärkerem Maße an der Verlangsamung der Konjunktur in asiatischen Schwellenländern und den Rezessionen in Brasilien und Russland. Lässt sich aus der Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft in 2016 auch für das politisch vermutlich turbulente Jahr 2017 Zuversicht ableiten?

 

Wir meinen: ja. Die Weltwirtschaft befindet sich in relativ guter Verfassung und sie startet nach einer leichten Beschleunigung im Schlussquartal 2016 gut ins neue Jahr. Aufgrund der in den letzten Monaten eingetretenen Besserung in vielen Schwellenländern und der im Ganzen günstigen Wachstumsbedingungen in den Industrieländern rechnen wir mit einem Wirtschaftswachstum von 2,8% für das Gesamtjahr 2017. Sicherlich ist die „neue Normalität´“, die sich seit der Wirtschaftskrise in unterdurchschnittlichem Wirtschaftswachstum und geringer Inflation niederschlagen hat, damit noch nicht völlig ausgehebelt. Aber erste Anzeichen einer vorsichtigen Trendwende sind zu beobachten – die Langfristzinsen und die Inflation tendieren wieder leicht aufwärts –, und das dürfte im Jahr 2017 so bleiben.

 

Natürlich sind auch 2017 viele Unbekannte im Spiel: Die künftige US-Wirtschaftspolitik unter  Donald Trump, der Ausgang der Wahlen in Deutschland und Frankreich, der Fortgang der Brexit-Verhandlungen. Zusätzliche wirtschaftliche Unsicherheiten und Finanzmarktrisiken ergeben sich aus der derzeit großen Divergenz im Kurs der amerikanischen und der europäischen Notenbanken und durch die anschwellende Privatverschuldung in vielen Schwellenländern. Also wird die Treffsicherheit der Prognosen für Deutschland und Europa  wieder einmal von der Richtigkeit der Annahmen über politische und weltwirtschaftliche Entwicklungen abhängen.

 

US-Wirtschaftspolitik eher expansiv

 

In Bezug auf die künftige US-Wirtschaftspolitik ist noch unklar, welche Wahlversprechen Donald Trump schlussendlich einlösen wird, zumal der künftige US-Präsident sich an keinem geschlossenen wirtschaftspolitischen Konzept zu orientieren scheint. Was sich abzeichnet, ist ein veränderter Policy-Mix: Die Geldpolitik wird die Wirtschaftsentwicklung etwas weniger, die Fiskalpolitik dagegen deutlich mehr unterstützen. Auch wenn die Größenordnungen noch nicht feststehen, wird Trump versprochene Steuersenkungen und Investitionsinitiativen umsetzen. Im Verlauf des Jahres 2017 dürften diese Maßnahmen das Wirtschaftswachstum und die Inflation beflügeln - trotz bremsender Impulse der anziehenden Inflation, etwas höherer Zinsen und der daraus resultierenden Aufwertung des US-Dollar.  Nicht enthalten in unserer Prognose ist die Annahme eines ausgeweiteten Handelskrieges zwischen den USA und China oder anderen wichtigen Handelspartnern. Protektionistische Einzelmaßnahmen und Drohungen sind als eine Reaktion auf das steigende US-Handelsbilanzdefizit leider zu befürchten. Aber eine Eskalation der Handelskonflikte stellte auch für die USA ein großes Abwärtsrisiko dar und sollte daher vernünftigerweise vermieden werden.

 

Der Euroraum kommt in raueres Fahrwasser

 

Die Konjunktur im Euroraum verlief angesichts der großen politischen Herausforderungen bislang in  ruhigen Bahnen. Im kommenden Jahr dürfte das Wirtschaftswachstum im dritten Jahr in Folge nahe der Potenzialrate, also dem langfristigen Wachstumstrend, liegen. Haupttreiber bleibt die Binnennachfrage. Die Kauflaune der Konsumenten wird zwar etwas unter der anziehenden Inflation und der Erholung der Ölpreise leiden, aber zusätzliche Unterstützung ist von der stetig steigenden Beschäftigung zu erwarten.  Das Deflationsgespenst wird 2017 voraussichtlich bis auf weiteres verschwinden.

 

Für die Euro-Währungsmärkte dürfte das Jahr 2017 besonders turbulent werden. Die EZB wird – im Gegensatz zur Fed – wohl kaum einen Gang runterschalten, sondern an ihren ultra-expansiven geldpolitischen Maßnahmen festhalten. Die Euro-Schwäche dürfte angesichts der großen geldpolitischen Divergenzen anhalten. Das ist kein Grund zur Freude. Zwar werden Exporte aus dem Euroraum dadurch preislich wettbewerbsfähiger, aber die Konsumenten verlieren durch höhere Importpreise. Und langfristig sind Abwertungen meist auch nicht gut für die Wettbewerbsfähigkeit, weil sie zu Nachlässigkeit bei der Verbesserung der Effizienz und der Innovation führen.

 

Für deutsche und europäische Privathaushalte und Sparer ist der transatlantische Zinsverbund von großer Bedeutung. Man kann wohl damit rechnen, dass die expansive Geldpolitik der EZB  eine völlige Abkoppelung von den US Zinsen nicht herbeiführen wird. Das wäre gut so - für die Sparer und ihre Altersvorsorgevermögen, aber auch die Stabilisierung des Euro.

 

Die größten Herausforderungen für den Währungsraum im Jahr 2017 dürften vor allem politisch geprägt sein. Neben den Brexit-Verhandlungen werden die Parlamentswahlen in wichtigen EWU-Mitgliedsstaaten wie den Niederlanden, Frankreich und Deutschland im Mittelpunkt stehen. Diese könnten die politische Landschaft in Europa stark verändern, denn anti-europäische und fremdenfeindliche Parteien haben zuletzt überall an Boden gewonnen. Darunter würde die bereits stark angeschlagene Reformbereitschaft leiden, sowohl auf nationaler als auch auf EWU-Ebene. Eine Fortsetzung der Reform- und Konsolidierungspolitik ist von großer Notwendigkeit, um den Wachstumsprozess auch längerfristig in Gang zu halten und mehr Jobs in der EWU zu schaffen.

 

Schwellenländer wieder auf Expansionskurs, aber mit Defiziten bei der Nachhaltigkeit

 

In den Schwellenländern stehen für das kommende Jahr die Zeichen auf „moderate Wachstumsbeschleunigung“. Verantwortlich hierfür ist vor allem die konjunkturelle Stabilisierung in den beiden Emerging Market-Schwergewichten Russland und Brasilien und die abermals expansive Wirtschafts- und Finanzpolitik in China. In die gute Botschaft für 2017 mischt sich aber eine Warnung für die mittlere Frist: Die expansive Konjunkturpolitik hat in vielen Schwellenländern zu wachsenden makroökonomischen Ungleichgewichten geführt, die vor allem in der rapide steigenden Unternehmensverschuldung und inflationären Immobilienpreisen zum Ausdruck kommen. Auf viele Jahre lässt sich das nicht durchhalten, das Risiko heftiger Korrekturen steigt.

 

Unter dem Strich dürfte sich die globale Konjunktur in 2017 besser entwickeln als im vergangenen Jahr. Die Unsicherheitsspanne bei Prognosen ist allerdings aufgrund vieler politischer und ökonomischer Risiken verhältnismäßig groß. Das gilt vor allem auch für die Entwicklungen im späteren Verlauf des Jahres  2017 und mit Blick auf 2018/19. Zu den zentralen mittelfristigen Risiken zählen wir den zunehmenden Populismus und Protektionismus, Wechselkursverzerrungen und steigende Finanzmarktrisiken durch die ultra-expansive Geldpolitik sowie steigende makroökonomische Ungleichgewichte in den USA und China angesichts einer expansiveren, schuldenfinanzierten Fiskalpolitik. 

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Dr. Michael Heise

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