Brigitte Miksa: Die MOE-Staaten sehen sich ähnlichen demografischen Problemen gegenüber wie der Westen. Die Geburtenziffer in diesen Ländern beträgt gegenwärtig 1,24 bis 1,42 Kinder pro Frau. Das ist viel zu niedrig, um das gegenwärtige Niveau zu halten. Rechnerisch müssten pro Frau 2,1 Kinder geboren werden.
Den Prognosen zufolge wird die Bevölkerung der elf untersuchten Länder bis 2050 um 15 Prozent – das sind 16 Millionen Menschen – schrumpfen. Dagegen wird der Altenquotient bis 2050 auf 50 steigen. Dann werden zwei Erwerbstätige einen Rentner finanzieren müssen.
Altersvorsorge
"Osteuropa ist vielen westeuropäischen Ländern voraus"
Ein neuer Bericht von Allianz Global Investors zu den Rentensystemen in Mittel- und Osteuropa (MOE) zeigt: Die Regierungen gehen konstruktiv mit der demografischen Herausforderung um. Allianz.com News sprach hierzu mit Brigitte Miksa, Leiterin International Pensions bei Allianz Global Investors.
Pressemitteilungen

Brigitte Miksa: "Nach unseren Prognosen werden die Pensionsmärkte der MOE-Länder bis 2015 jährlich um 19 Prozent wachsen"
Allianz.com News: Wie stark sind die Staaten in Mittel- und Osteuropa vom demografischen Wandel betroffen?
Sind alle Länder im gleichen Maße betroffen?
Miksa: Nein, da gibt es gravierende Unterschiede. Bulgarien wird bis 2050 ein Drittel seiner Bevölkerung eingebüßt haben, Rumänien 20 Prozent und Polen 10 Prozent.

Die Studie wurde in Budapest vorgestellt
Und wie reagieren die Regierungen der MOE-Länder mit Blick auf die Altersvorsorge auf diese Herausforderung?
Miksa: Sehr konstruktiv. Acht der elf untersuchten Länder haben mittlerweile eine kapitalgedeckte zweite Säule in Form von individuellen Pensionsplänen eingeführt, um die Einkünfte im Ruhestand auf eine breitere Basis zu stellen und zugleich die Kapitalmärkte weiterzuentwickeln. Das entlastet zugleich die staatlichen Systeme. Damit sind sie vielen westeuropäischen Ländern weit voraus, was die Diversifizierung der Einkünfte im Ruhestand betrifft.
Das klingt ja alles sehr vorbildhaft - wo ist der Haken?
Miksa: Es gibt keinen Haken. Aber, noch sind freiwillige Sparleistungen zur privaten Altersvorsorge unterentwickelt. Das wird sich hoffentlich ändern, wenn der Wohlstand in Mittel- und Osteuropa weiter zunimmt.
Auch die Risikoneigung ist in Mittel- und Osteuropa noch wenig ausgeprägt. Hier gibt es noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Bislang zieht man die Investition in traditionelle Anlageformen wie Immobilien und Sparguthaben vor. Aktienbesitz besteht vielfach nur infolge des Privatisierungsprozesses der späten 1990er Jahre.
Auch die Risikoneigung ist in Mittel- und Osteuropa noch wenig ausgeprägt. Hier gibt es noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Bislang zieht man die Investition in traditionelle Anlageformen wie Immobilien und Sparguthaben vor. Aktienbesitz besteht vielfach nur infolge des Privatisierungsprozesses der späten 1990er Jahre.
Und wie werden sich die Pensionsmärkte in den MOE zukünftig entwickeln?
Miksa: Nach unseren Prognosen werden die Pensionsmärkte der MOE-Länder bis 2015 jährlich um 19 Prozent wachsen. Das entspricht einer Zunahme des Volumens von 51 auf 245 Milliarden Euro. Allein auf die drei Visegrád-Staaten Ungarn, Polen und Tschechien werden 80 Prozent des für 2015 prognostizierten Volumens entfallen, obwohl ihr Bevölkerungsanteil nur 55 Prozent entspricht.
Der Bericht zu den Rentensystemen in Mittel- und Osteuropa von Allianz Global Investors ist der zweite seiner Art, der erste erschien 2004. Untersucht wurden folgende Länder: Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, die Slowakei, Slowenien, die Tschechische Republik und Ungarn. Die Tschechische Republik, Litauen und Slowenien sind die einzigen Länder, die keine verpflichtende kapitalgedeckte zweite Säule eingeführt haben, sondern alternative Formen der Altersvorsorge.
Der Bericht zu den Rentensystemen in Mittel- und Osteuropa von Allianz Global Investors ist der zweite seiner Art, der erste erschien 2004. Untersucht wurden folgende Länder: Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, die Slowakei, Slowenien, die Tschechische Republik und Ungarn. Die Tschechische Republik, Litauen und Slowenien sind die einzigen Länder, die keine verpflichtende kapitalgedeckte zweite Säule eingeführt haben, sondern alternative Formen der Altersvorsorge.
Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen, der Ihnen oben rechts zur Verfügung gestellt wird.
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