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Allianz.com News sprach mit Chefvolkswirt Michael Heise über die "Lebensziele" der Deutschen, Franzosen, Italiener und Spanier. Die Allianz hat eine neue Studie mit GfK Nürnberg durchgeführt, die die persönlichen Lebensziele, Zufriedenheit und Finanzplanung der Menschen dieser Länder untersuchte.
Allianz Group
Frankfurt am Main, 16.11.2005
  Illustratives Bild

Michael Heise: "Geld macht nur bedingt glücklich"

Allianz.com News: Was war das Ziel der neuen Studie?
Michael Heise: Die Allianz wollte erfragen, welche Zusammenhänge Deutsche, Franzosen, Italiener und Spanier zwischen Lebenszielen, Zufriedenheit und finanzieller Planung sehen. Sie wollte auch herausfinden, was im Leben zur Zufriedenheit der Menschen führt und wie wichtig einzelne Ziele sind bzw. wie die Chancen für das Erreichen dieser Ziele eingeschätzt werden.

Diese Studie wurde erstmals 2004 in Deutschland durchgeführt. Nun war es Zeit – als Finanzdienstleister mit Kernmarkt Europa – einen europäischen Vergleich zu starten.
? Und was hat die Studie herausgefunden?
Heise: Kulturell bedingt setzen die Menschen in diesen Ländern unterschiedliche Prioritäten bei ihren Lebenszielen. In Deutschland und Italien ist eine gute Ausbildung das wichtigste Lebensziel. Die Franzosen dagegen wünschen sich vor allem Kinder und wollen das Leben heute genießen. Die Spanier wollen vor allem ein gesünderes Leben führen.

Doch ist die Priorisierung von Lebenszielen nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich bedingt. So zeigen die Spanier eine größere Lebenszufriedenheit als die anderen Länder. Spanien hat in den vergangenen Jahren einen höheren Standard erreichen können, was auch zur allgemeinen hohen Lebenszufriedenheit in diesem Land beiträgt.

Spanien ist sich jedoch des demografischen Drucks noch nicht bewusst – auch weil die Politik das bei langem noch nicht so deutlich thematisiert wie beispielsweise in Deutschland.
? Was haben diese Länder gemeinsam?
Heise: Die Studie zeigte auch Gemeinsamkeiten auf, z.B. bei der Altersvorsorge. Das größte Defizit zwischen Wunsch und Wirklichkeit sehen die Befragten in allen vier Ländern bei ihrer finanziellen Absicherung für Zukunft und Alter.

Das Lebensziel "finanzielle Absicherung der eigenen Zukunft und Alter" löst bei allen der befragten Menschen die größten Störgefühle aus. Machen sie eine Bilanz ihrer augenblicklichen Lebenszufriedenheit auf, erkennen sie dass sie noch zu wenig getan haben, um diesem Ziel näher zu kommen. Nur 33 Prozent der Deutschen glauben für Zukunft und Alter finanzielle abgesichert zu sein - in Spanien sind es nur 26 Prozent, in Italien 20 Prozent und in Frankreich 17 Prozent.
? Macht Geld glücklich?
Heise: Nur bedingt. Die Umfragen haben gezeigt, das nicht nur die Erreichung des Zieles finanzielle Absicherung, sondern auch nicht-materieller Ziele wie Selbstbestimmung, Leben genießen und berufliche Entwicklung die Lebenszufriedenheit und das persönliche Glück fördern.

Junge Familien sind beispielsweise laut unserer Studie die zufriedensten Menschen, obwohl sie in der Regel nur über geringe finanzielle Möglichkeiten verfügen. Gleichwohl zeigt sich auch bei der Gruppe der jungen Familien, dass der Umfang der finanziellen Planung offenbar einen Einfluss auf die Verwirklichung der Lebensziele und damit auf die Lebenszufriedenheit hat.
? Was muss aus Ihrer Sicht die Politik tun, um das Erreichen von Lebenszielen von den Bürgern zu fördern?
Heise: Die Politik sollte nicht allzu viel regeln wollen, sondern nur die notwendigen Rahmenbedingungen vorgeben. Bei diesen Rahmenbedingungen schiebt sich immer stärker die notwendige weitere und nachhaltige Reform und Stabilisierung der Sozialversicherungssysteme in den Vordergrund.

Die Zeit drängt, da sich Veränderungen in diesen Bereichen nur langsam auswirken. Aufgrund der demografischen Situation bleibt nur noch ein Zeitfenster von ungefähr 15 Jahren um die umlagefinanzierte gesetzliche Rente zu entlasten und einen ausreichenden Kapitalstock aufzubauen. Je später wir damit starten, umso größer wird die Belastung vor allem für die jungen Menschen und die zukünftigen Generationen.

Die Politik ist deshalb gefordert, weiter für eine ergänzende, selbstverantwortlich gestaltete Altersvorsorge zu werben und, ganz wichtig, den Bürgern die notwendigen finanziellen Spielräume zu geben.

In der Schweiz und in den Niederlanden ist es gelungen, die kapitalgedeckte Altersvorsorge frühzeitig und umfassend in den jeweiligen Sozialsystemen zu verankern. Diese Länder haben ein gleichwertiges Verhältnis zwischen umlagefinanzierter gesetzlicher Rente und kapitalgedeckter privater und betrieblicher Altersversorgung geschafft (in der Schweiz 42:58, in den Niederlanden 50:50).

Deutschland (derzeit mit einem Anteilsverhältnis von rund 85:15) muss das auch erreichen. Hier sind wir alle gefordert: Staat und Bürger.
Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen, der Ihnen oben rechts zur Verfügung gestellt wird.

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Kontakt für Presse
Nicolai Tewes
Allianz Group
+49.89.3800-4511
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