Manchmal kommt zum Unglück einfach noch Pech dazu. Das Erdbeben von 1906 in San Francisco ist dafür ein Beispiel. 7,8 auf der Richterskala ist eine starke Erschütterung, doch die Menschen in der Bay waren Erdbeben gewöhnt und etliche Häuser hielten den Erdstößen am frühen Morgen des 18. April vor 100 Jahren stand.
Doch bald fachte ein starker Wind Feuer an, die durch Gas entstanden waren, das aus den zerstörten Leitungen strömte. Die Feuerwehr war von den zahlreichen Brandherden überfordert – zumal die Wasserleitungen ebenfalls Schaden genommen hatten. "Nur einer hätte die genaue Lage der unterirdischen Zisternen gekannt", berichtet Gerhard Berz, früher bei der Münchner Rückversicherung für Geo-Risikoforschung zuständig. "Doch der Feuerwehrchef Dennis T. Sullivan war durch das Erdbeben so schwer verletzt worden, dass er einige Tage später starb."
So wütete das Feuer drei Tage lang und zerstörte weit mehr als das Erdbeben selbst: 500 Menschen waren sofort gestorben, die Brände töteten weitere 2500. Am Ende waren 490 Häuserblocks zerstört und 250.000 Menschen obdachlos. San Francisco sah aus wie nach einem Luftangriff.
San Francisco: Ein hundert Jahre alter Schadenfall
Das Erdbeben und das anschließende Feuer, die 1906 San Francisco zerstörten, schockierten nicht nur die Weltöffentlichkeit, sondern auch die Versicherer – weltweit. Die meisten Versicherer, auch Allianz und Münchener Rück, entschlossen sich trotz zweideutiger Rechtslage zu zahlen.

San Francisco sah nach Erdbeben und Brand aus wie nach einem Luftangriff
Erster globaler Schadenfall für Versicherer
Während das Erdbeben in Lissabon 150 Jahre zuvor noch Menschen in ganz Europa an Gott zweifeln ließ, schockierte die Katastrophe in San Francisco erstmals die Versicherungswirtschaft weit über die USA hinaus: Über 70 Prozent der Zerstörungen waren damals schon versichert. Mehr als 100 Versicherer waren betroffen, davon etliche in Großbritannien und Deutschland.
Auch die Allianz Versicherung, 1890 gegründet, spürte das Beben im fernen Berlin, wo damals ihr Hauptsitz war. Gemeinsam mit der Münchner Rück hatte sie in Kalifornien Feuerrisiken rückversichert – allerdings war die Schadenhöhe selbst für damalige Verhältnisse überschaubar. Der Geschäftsbericht weist Sonderrückstellungen in Höhe von 300.000 Mark aus.
Nicht alle kamen so glimpflich davon: die Süddeutsche Feuerversicherung geriet als Einsparten-Versicherer in finanzielle Schwierigkeiten. Die Allianz übernahm sie bald danach und leistete die fälligen Schadenzahlungen.
Auch die Allianz Versicherung, 1890 gegründet, spürte das Beben im fernen Berlin, wo damals ihr Hauptsitz war. Gemeinsam mit der Münchner Rück hatte sie in Kalifornien Feuerrisiken rückversichert – allerdings war die Schadenhöhe selbst für damalige Verhältnisse überschaubar. Der Geschäftsbericht weist Sonderrückstellungen in Höhe von 300.000 Mark aus.
Nicht alle kamen so glimpflich davon: die Süddeutsche Feuerversicherung geriet als Einsparten-Versicherer in finanzielle Schwierigkeiten. Die Allianz übernahm sie bald danach und leistete die fälligen Schadenzahlungen.

Auch die Allianz (hier der damalige Hauptsitz in Berlin) musste zahlen
Erdbebenschäden versichert oder nicht?
Auch die Münchener Rück war erheblich getroffen: Gemessen am Volumen der Prämieneinnahmen ist das Erdbeben von 1906 immer noch der größte Schadenfall der Unternehmensgeschichte. 2,9 Millionen Dollar, umgerechnet 12 Millionen Mark, wurden fällig – acht Prozent des Jahresumsatzes für ein einziges Ereignis!
Dabei war nicht einmal unumstritten, ob die Schäden wirklich versichert waren. Zwar waren die meisten Gebäude der Stadt gegen Feuer versichert. Doch einige deutsche Versicherer schlossen Brandschäden, die ein Erdbeben verursacht, ausdrücklich aus ihren Policen aus.
Als allerdings die "Rhein und Mosel Versicherung" aus dem damals deutschen Straßburg (die übrigens 1995 ebenfalls zur Allianz Gruppe stieß) ihren Vertreter in San Francisco anwies, Zahlungen aufgrund dieser Klausel zu verweigern, schrieb dieser zurück: "Habe gerade Ihr Telegramm erhalten. Klausel hier unüblich. Gerichte werden sie nicht aufrechterhalten. Müssen genauso zahlen wie alle anderen Gesellschaften."
Dabei war nicht einmal unumstritten, ob die Schäden wirklich versichert waren. Zwar waren die meisten Gebäude der Stadt gegen Feuer versichert. Doch einige deutsche Versicherer schlossen Brandschäden, die ein Erdbeben verursacht, ausdrücklich aus ihren Policen aus.
Als allerdings die "Rhein und Mosel Versicherung" aus dem damals deutschen Straßburg (die übrigens 1995 ebenfalls zur Allianz Gruppe stieß) ihren Vertreter in San Francisco anwies, Zahlungen aufgrund dieser Klausel zu verweigern, schrieb dieser zurück: "Habe gerade Ihr Telegramm erhalten. Klausel hier unüblich. Gerichte werden sie nicht aufrechterhalten. Müssen genauso zahlen wie alle anderen Gesellschaften."
Wer auf dem Markt bleiben wollte, musste zahlen
Tatsächlich drängten nicht nur Versicherte und die öffentliche Meinung, sondern auch die kalifornischen Gerichte die Versicherer zur Zahlung und erkannten die Ausschlussklauseln nicht an. Wer auf dem zukunftsträchtigen amerikanischen Markt bleiben wollte, musste entschädigen. Dafür entschieden sich Allianz und Münchener Rück, deren Ruf mittelfristig davon profitierte, während sich die "Rhein und Mosel" ganz aus dem Amerikageschäft zurückzog.
Anders ging es dem Fireman's Fund, einem regionalen Versicherer in San Francisco, der seit 1991 zur Allianz Gruppe gehört. Das Erdbeben war eine wirkliche Katastrophe für das Unternehmen: Sein Hauptsitz brannte aus, und die Forderungen von zehn Millionen Dollar überstiegen die jährlichen Prämieneinnahmen um ein Mehrfaches.
Nur mit vereinten Kräften und nach zähen Verhandlungen gelang es dem Unternehmen, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Eine Auffanggesellschaft mit höherem Kapital sprang ein, die Kunden mussten sich zur Hälfte mit Aktien statt Bargeld begnügen. Letztlich erhielten sie alles, was der Fireman's Fund ihnen schuldete. Dies gelang bei weitem nicht allen Mitbewerbern.
Anders ging es dem Fireman's Fund, einem regionalen Versicherer in San Francisco, der seit 1991 zur Allianz Gruppe gehört. Das Erdbeben war eine wirkliche Katastrophe für das Unternehmen: Sein Hauptsitz brannte aus, und die Forderungen von zehn Millionen Dollar überstiegen die jährlichen Prämieneinnahmen um ein Mehrfaches.
Nur mit vereinten Kräften und nach zähen Verhandlungen gelang es dem Unternehmen, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Eine Auffanggesellschaft mit höherem Kapital sprang ein, die Kunden mussten sich zur Hälfte mit Aktien statt Bargeld begnügen. Letztlich erhielten sie alles, was der Fireman's Fund ihnen schuldete. Dies gelang bei weitem nicht allen Mitbewerbern.
Das Feuer erfasste eine Fläche von 1100 Hektar
Fotos: Fireman's Fund (2), Firmenhistorisches Archiv der Allianz (1)

Risiken haben zugenommen
Was haben die Versicherer daraus gelernt? "Schon 1906 haben Allianz und Münchener Rück, ebenso wie viele andere, höhere Rücklagen gebildet", sagt Barbara Eggenkämper, Leiterin des Firmenhistorischen Archivs der Allianz. Inzwischen haben die Versicherer gelernt, Naturkatastrophen genau zu beobachten und die Risiken einzuschätzen – selbst für so schwer vorhersehbare Ereignisse wie Erdbeben.
Allerdings haben die Risiken zugenommen. "Die stark exponierten Regionen sind heute dicht besiedelt", sagt Gerhard Berz von der Münchener Rück. "Moderne Technologien sind anfällig gegen Naturkatastrophen. Und nicht zuletzt sorgt der Klimawandel für eine Zunahme von tropischen Stürmen, Dürren und Überschwemmungen."
Ein Erdbeben wie das von 1906 in San Francisco – das schätzungsweise alle tausend Jahre auftritt – würde heute einen volkswirtschaftlichen Schaden von 200 Milliarden Euro verursachen. Versichert wären davon "nur" ungefähr 50 Milliarden. Viele Kalifornier scheuen die risikoadäquaten Prämien für Erdbebenschäden, und die Klauseln sind heutzutage ebenso eindeutig wie die Eigenbeteiligungen.
Doch während seinerzeit viele Versicherer ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkamen, können Versicherte heute beruhigt sein: "Heute könnte die internationale Versicherungswirtschaft selbst drei Größtereignisse in einem Jahr wegstecken", beruhigt Berz. "Da solche Naturkatastrophen im Schnitt alle hundert Jahre vorkommen, trifft das mit einer jährlichen Wahrscheinlichkeit von eins zu einer Million ein."
Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen, der Ihnen oben rechts zur Verfügung gestellt wird.
Allerdings haben die Risiken zugenommen. "Die stark exponierten Regionen sind heute dicht besiedelt", sagt Gerhard Berz von der Münchener Rück. "Moderne Technologien sind anfällig gegen Naturkatastrophen. Und nicht zuletzt sorgt der Klimawandel für eine Zunahme von tropischen Stürmen, Dürren und Überschwemmungen."
Ein Erdbeben wie das von 1906 in San Francisco – das schätzungsweise alle tausend Jahre auftritt – würde heute einen volkswirtschaftlichen Schaden von 200 Milliarden Euro verursachen. Versichert wären davon "nur" ungefähr 50 Milliarden. Viele Kalifornier scheuen die risikoadäquaten Prämien für Erdbebenschäden, und die Klauseln sind heutzutage ebenso eindeutig wie die Eigenbeteiligungen.
Doch während seinerzeit viele Versicherer ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkamen, können Versicherte heute beruhigt sein: "Heute könnte die internationale Versicherungswirtschaft selbst drei Größtereignisse in einem Jahr wegstecken", beruhigt Berz. "Da solche Naturkatastrophen im Schnitt alle hundert Jahre vorkommen, trifft das mit einer jährlichen Wahrscheinlichkeit von eins zu einer Million ein."
Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen, der Ihnen oben rechts zur Verfügung gestellt wird.
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