Brasiliens Landwirtschaftssektor generiert bereits beinahe ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts und boomt weiter. Als der größte Versicherer für Landmaschinen und Ernteversicherungen plant Allianz Brasilien eine Expansion seines Agrargeschäfts.
Allianz Seguros
São Paulo, 24.07.2008

2007 wurden 57 Millionen Tonnen Sojabohnen geerntet, was Brasilien zum zweitgrößten Produzenten der Welt machte
Mit 8,5 Millionen Quadratkilometern ist Brasilien das fünftgrößte Land der Erde – nach Russland, Kanada, den USA und China. Brasilien verfügt über riesige Flächen, auf denen Soja, Baumwolle, Reis, Mais, Weizen, Zuckerrohr, Kaffee und die verschiedensten Obstsorten angebaut werden. Insgesamt trägt der Landwirtschaftssektor, wozu auch Vieh- und Forstwirtschaft zählen, mit 28 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei.
Die Allianz Brasil ist mit einem Bestand von 100 000 Landmaschinen der führende Versicherer auf dem Agrarsektor. Gemessen am Prämieneinkommen deckt das Unternehmen mittlerweile ein Viertel des Marktes ab. Hört sich viel an, stellt aber nur einen Bruchteil dessen dar, was der brasilianische Agrarmarkt zu bieten hat: Nur zwei Prozent aller Bauern verfügen derzeit über eine Ernteausfallversicherung. Doch die Sache kommt in Bewegung. Zum einen wegen der staatlichen Subventionen für den Abschluss von Ernte-, Vieh-, Forst- und Fischereiversicherungen, zum anderen wegen des höheren Bildungsstandes der Bauern, der es ihnen ermöglicht, ihre Risiken besser abzuschätzen.
Pläne der Allianz sehen für dieses Jahr eine Umsatzsteigerung im Agrarsektor von 30 Prozent vor. In den nächsten drei Jahren soll die Zusammenarbeit mit Landmaschinenherstellern intensiviert, der Vertrieb von Agrarpolicen über den Bankkanal ausgebaut und die Erschließung neuer Absatzregionen forciert werden. Bereits im letzten Jahr wurde damit begonnen, das Geschäft mit Immobilienversicherungen im ländlichen Raum auszuweiten. Dazu zählen vor allem die großen Zuckerrohrplantagen, die bei der Herstellung von Ethanol eine Schlüsselrolle spielen – der Treibstoff, mit dem mittlerweile mehr als zwei Drittel aller Autos in Brasilien betrieben werden. Die verstärkten Kundenkontakte bieten zudem die Möglichkeit zum Anschlussverkauf von Kfz- und Lebensversicherungen. Im Geschäft mit Ernteausfallpolicen, das die Allianz Brasil im Jahr 2005 zunächst für Soja- und Maissaaten aufgenommen hatte, rangiert sie mittlerweile auf Rang fünf und bietet heute für alle gängigen Nutzpflanzen Deckungen an.
Blick aus dem All
Für ihr Agrargeschäft setzt die Allianz Brasil inzwischen sogar auf Satellitentechnik. "Derzeit läuft ein Pilotprojekt, bei dem Satellitenbilder zur Risikobestimmung herangezogen werden", erläutert IT-Chef Emilio Vian Vieira. Dabei werden Aufnahmen von São Paulo und Paranã ausgewertet, den beiden Bundesstaaten mit dem größten Anteil an landwirtschaftlicher Produktion. "Der Versuch ist auf drei Jahre angelegt", sagt Luis Carlos Meleiro, der Leiter des Agrargeschäfts bei der Allianz Brasil. "Das gibt uns die Zeit, um aussagekräftige mathematische Modelle zu entwickeln, auf denen wir unsere Preiskalkulationen aufbauen können." Rund 750 Landwirtschaftsbetriebe sind an dem Projekt beteiligt.
Satellitenbeobachtung kommt mittlerweile in vielen Ländern zum Einsatz, zumeist zur Risikoplanung in Regionen mit Überschwemmungs- und Sturmgefahren. In Brasilien dient sie dazu, sich ein Bild von der Situation auf den Farmen zu verschaffen. "Brasilien ist riesig und verfügt in abgelegenen Gebieten nur über eine unzureichende Infrastruktur", erläutert Meleiro die Problemlage. Das mache es Gutachtern und Schadenregulierern nahezu unmöglich, bei jedem Betrieb persönlich zu überprüfen, welche Feldfrüchte oder Bäume wirklich angepflanzt wurden, oder die Schäden nach einem Brand oder einem Sturm zu bewerten. "Der Blick aus dem All verschafft uns ein wesentlich klareres Bild davon, was wir auf der Erde genau versichert haben – und er hilft uns, Versicherungsbetrug auf die Spur zu kommen", so Meleiro. "Es wäre nicht das erste Mal, dass wir einen Unwetterschaden gemeldet bekommen und sich anschließend herausstellt, dass gar nichts angepflanzt wurde."
Landmaschinen- und Ernteversicherungen sind für die Allianz Brasil eine wachsende Einnahmequelle. 52.000 neue Traktoren wurden 2007 in Brasilien verkauft – eine Steigerung um 42 Prozent gegenüber 2006

Boom der Forstwirtschaft
Die Deckung variiert je nach Art der Nutzpflanzen. Bei Soja, Weizen oder Mais sind Schäden durch Brand, Sturm, Hagel, Frost und Starkregen im Versicherungsumfang enthalten. Mit Zusatzdeckungen kann man sich auch gegen Überschwemmungen und Dürre und selbst für den Fall, dass die Saat nicht aufgeht, absichern. Für Zuckerrohranbau und Forstwirtschaft stellt dagegen Feuer die größte Gefahr dar, weshalb auch nur dieses Risiko im Versicherungsumfang enthalten ist. Alle anderen Risiken müssen extra versichert werden.
Die brasilianische Forstwirtschaft erlebt gerade einen Boom, weil die Nachfrage nach Bauholz, Papier, Möbeln und Holzkohle ständig steigt. Auch für die Versicherungsbranche ein gutes Geschäft: Es wird erwartet, dass die Schadenquote in den nächsten Jahren nicht über 15 Prozent ansteigen wird. Nutzwälder sind ein anerkannter Wirtschaftszweig, im Gegensatz zur Abholzung der Regenwälder im brasilianischen Dschungel. "Die Bauern, die wir versichern, haben Hypotheken bei der Bank und müssen dafür einen Geschäftsplan vorlegen", sagt Meleiros Kollege Marcio Martinati.
Es sei sehr unwahrscheinlich, dass sie sich an illegalen Brandrodungen von Regenwäldern beteiligen. "So etwas spielt sich hauptsächlich im Norden ab, weit außerhalb der Regionen, die wir versichern."
Dieser Text basiert auf einem Artikel aus dem Mitarbeitermagazin "Allianz Journal".
Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen, der Ihnen oben rechts zur Verfügung gestellt wird.
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