Aktienkurse und Märkte verändern sich ständig, aber Manager von Demografiefonds denken Jahrzehnte voraus. Christian Schneider, Aktien-Portfoliomanager bei Allianz Global Investors KAG in Frankfurt, erläutert die wirtschaftlichen Auswirkungen des demografischen Wandels.
Allianz Global Investors KAG
Frankfurt, 07.01.2008

Christian Schneider: "Es gibt auch Möglichkeiten, von der Alterung zu profitieren"
Auf welcher Überlegung basiert das Investieren in demografischen Entwicklungen?
Schneider: Wir konzentrieren uns auf die Dynamik, die davon ausgeht. Die Frage ist: Welchen Einfluss werden Veränderungen der Bevölkerungsentwicklung auf die Wirtschaft und bestimmte Branchen haben? Die Alterstrends – eine alternde Bevölkerung in Westeuropa, den USA und Japan und viele junge Menschen in vielen asiatischen Ländern, Südamerika und einigen afrikanischen Staaten – können das Wirtschaftswachstum spürbar beeinflussen. Als Kapitalverwalter möchten von diesen langfristigen Trends profitieren und die Verlierer des demografischen Wandels meiden.
Sie setzen auf Bevölkerungswachstum. Heißt das, dass Sie gar nicht in alternde Volkswirtschaften investieren?
Schneider: Wir konzentrieren uns auf Länder, bei denen das Bruttoinlandsprodukt spürbar wächst – aber es gibt auch Möglichkeiten, von der Alterung zu profitieren. Es wird einen Bedarf nach neuen Konsum-Produkten geben, und alternde Bevölkerungen sind üblicherweise ziemlich wohlhabend. Auch die Gesundheitsversorgung wird zum Thema. Bestimmte altersbedingte Krankheiten nehmen zu, wie Glaukome, auch grüner Star genannt. Wer das nicht behandelt lässt, erblindet. Leider sehen wir auch, dass die Gesundheitssysteme damit weiter unter Druck geraten, weil die Kosten immer höher werden.
Sparen für die Rente wird auch ein sehr wichtiges Thema in den alternden Volkswirtschaften. Wenn es mehr Rentner und weniger Berufstätige gibt, wird beispielsweise das deutsche Umlagenverfahren auf Dauer nicht mehr funktionieren. Wer in 30 Jahren in Rente geht, muss mit weniger rechnen, als Rentner heute bekommen. Daher wird es dringend notwendig, für den Ruhestand zu sparen, um einen gewissen Lebensstandard zu halten.
Wenn Sie auf Bevölkerungswachstum setzen, müssen Sie in Wachstumsmärkte anlegen. Sind damit nicht höhere Risiken verbunden?
Schneider: Natürlich haben Sie dort höhere Risiken: Es gibt andere Bilanzierungsstandards und ein anderes Rechtssystem. Aber diese Märkte werden sich mit der Zeit entwickeln. Ich denke, unsere Wahrnehmung dieser Länder muss sich ändern. Wichtig sind die höheren Wachstumsraten. Lassen wir Konjunkturzyklen mal beiseite. Die wird es immer geben, mal wächst die Wirtschaft mehr, mal weniger. Aber in diesen Regionen wird das nachhaltige Wachstum aufgrund der demografischen Entwicklung größer sein, und man kann das nutzen, wenn man langfristig dort investiert.
Diese Karte zeigt, wie die Welt aussehen würde, wenn die Anzahl älterer Menschen über 65 Jahren die Fläche eines Landes bestimmen würde; Karte: worldmapper.org

Wie sehen Sie ein Land wie China, wo die Wirtschaft zwar schnell wächst, das Land aber in 30 oder 40 Jahren große Probleme haben wird, weil die Gesellschaft altert?
Schneider: Das wird nicht einmal so lange dauern. Die Probleme werden schon im nächsten Jahrzehnt losgehen. Die Ein-Kind-Politik gibt es seit den 1970er Jahren, und diese Kinder sind jetzt über 30 und haben eigene Kinder, aber wiederum nur eins. Dadurch wird die Bevölkerung ziemlich schnell schrumpfen. Trotzdem wird es in den nächsten sechs bis acht Jahren keine Probleme geben. Bis 2012 oder 2014 wird die arbeitende Bevölkerung weiter zunehmen.
Aber China wird es auch danach noch ganz gut gehen, denn dort arbeiten zwei Faktoren gegeneinander: Einerseits wird die Bevölkerung älter, andererseits ist die Landbevölkerung bisher noch nicht in die Weltwirtschaft integriert. China könnte also den demografischen Druck für eine Weile vermeiden, indem es versucht, diese Menschen als Arbeitskräfte für die großen Städte zu gewinnen.
Welche anderen demografischen Trends könnten wichtig für Unternehmen sein?
Schneider: Ein Thema, das für aufstrebende Länder wie China sehr wichtig sein wird, sind Investitionen in Infrastruktur. Diese Länder müssen ihre Bürger an der Weltwirtschaft teilhaben lassen, um in den nächsten 20 bis 30 Jahren im Wettbewerb mithalten zu können. Diese Menschen brauchen angemessene Unterkünfte, Trinkwasser, ein Abwassersystem, Straßen und öffentlichen Nahverkehr, Telefon, Nahrung und so weiter. Indien wird sich in die gleiche Richtung entwickeln, ebenso wie Indonesien, Brasilien und die Türkei. Es bleibt viel zu tun.
Christian Schneider verwaltet den Allianz-dit DemographicTrends Fonds (SIN A0LGX7, ISIN LU 0281689694), der im Februar von AllianzGI Luxembourg aufgelegt wurde und seit 20. April zu öffentlichen Vertrieb in Deutschland zugelassen ist. Derzeit verwaltet der Fonds ein Vermögen 55 Millionen Euro.
Das Interview erschien auf Englisch auf der Allianz Knowledge Site.
Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen, der Ihnen oben rechts zur Verfügung gestellt wird.
Mehr Informationen zum Thema