Perlet: Das Jahr 2002 war sicherlich das schwierigste, das die Allianz und die gesamte Finanzbranche jemals zu meistern hatten. Ein Verlust von 1,2 Milliarden Euro ist mehr als enttäuschend - da gibt es nichts zu beschönigen.
Jedoch ist es kein verlorenes Jahr. Die Allianz hat in den vergangenen Monaten entscheidende Weichen für die künftige Entwicklung und Wertsteigerung des Unternehmens gestellt. Wir haben beeinflusst, was wir beeinflussen können. Kriegsangst, Rezession und schwache Kapitalmärkte sind Faktoren, auf die wir keinen Einfluss nehmen können.
Perlet: "Unser Programm lautet 'back to basics'"
In einem Interview mit Allianz.com News kommentiert Helmut Perlet, Mitglied des Vorstands zuständig für Controlling, Rechnungswesen und Steuern, die Jahresergebnisse für 2002 und nennt Faktoren, die das Ergebnis für 2003 deutlich verbessern können.

Helmut Perlet
Allianz.com News: Wie beurteilen Sie das Geschäftsjahr 2002?
? Wie kommt die Allianz aus der Verlustzone heraus?
Perlet: Unser Programm lautet „back to basics“, und wir müssen unsere Ziele konsequent umsetzen. Nur so können wir unser operatives Ergebnis verbessern und auch ohne Realisierungsgewinne profitabel sein.
Bereits im Jahr 2002 konnten wir im Schaden- und Unfallgeschäft die Combined Ratio um 3,1 Prozentpunkte auf 105,7 Prozent senken. Bereinigt um Sonderbelastungen belief sie sich auf 101,7 Prozent.
Im laufenden Geschäftsjahr wollen wir diese Kennziffer auf unter 100 Prozent senken. Damit erreichen wir das ursprünglich für 2004 gesetzte Ziel ein Jahr früher.
Bereits im Jahr 2002 konnten wir im Schaden- und Unfallgeschäft die Combined Ratio um 3,1 Prozentpunkte auf 105,7 Prozent senken. Bereinigt um Sonderbelastungen belief sie sich auf 101,7 Prozent.
Im laufenden Geschäftsjahr wollen wir diese Kennziffer auf unter 100 Prozent senken. Damit erreichen wir das ursprünglich für 2004 gesetzte Ziel ein Jahr früher.
? Können Sie schon erste Erfolge aufzeigen?
Perlet: Viele unserer Ländergesellschaften haben bereits eine Combined Ratio von unter 100 Prozent. Dazu zählen beispielweise Lloyd Adriatico, Allianz Cornhill und Allianz Spanien.
Bei unserem amerikanischen Versicherer Fireman’s Fund haben wir uns von verlustbringenden Bereichen getrennt, die Kosten drastisch gesenkt und substantielle Preiserhöhungen durchsetzen können. Wir rechnen mit einer Combined Ratio von rund 100 für das Jahr 2003.
Im Industrieversicherungs-Segment haben wir mit Allianz Global Risks und Allianz Marine & Aviation zwei Spezialeinheiten gegründet. Beide Einheiten haben einen klaren Fokus und eine dezidierte strategische Ausrichtung. Wir können hier bereits deutliche Verbesserungen auf dem Weg zum Turnaround aufzeigen.
Bei unserem amerikanischen Versicherer Fireman’s Fund haben wir uns von verlustbringenden Bereichen getrennt, die Kosten drastisch gesenkt und substantielle Preiserhöhungen durchsetzen können. Wir rechnen mit einer Combined Ratio von rund 100 für das Jahr 2003.
Im Industrieversicherungs-Segment haben wir mit Allianz Global Risks und Allianz Marine & Aviation zwei Spezialeinheiten gegründet. Beide Einheiten haben einen klaren Fokus und eine dezidierte strategische Ausrichtung. Wir können hier bereits deutliche Verbesserungen auf dem Weg zum Turnaround aufzeigen.
? Kann die Allianz in diesen schwierigen Zeiten überhaupt noch Wachstumschancen wahrnehmen?
Perlet: Die Allianz ist trotz der schwierigen konjunkturellen Bedingungen und der negativen Entwicklungen an den Kapitalmärkten ein kapitalstarker und sicherer Partner. Unsere Ratings und unsere Kapitalkraft gehören zur Spitzengruppe der Branche.
Und: Die Kunden entscheiden sich in unsicheren Zeiten ganz bewusst für die Qualitätsanbieter der Branche. So hat die Allianz Lebensversicherung mit einem Wachstum von 30 Prozent bei Neuverträgen ein Rekordergebnis erzielt. Das zeigt: Die für die Allianz typische Qualität und Solidität von Produkten und Dienstleistungen sind bei unseren Kunden mehr denn je gefragt.
Und: Die Kunden entscheiden sich in unsicheren Zeiten ganz bewusst für die Qualitätsanbieter der Branche. So hat die Allianz Lebensversicherung mit einem Wachstum von 30 Prozent bei Neuverträgen ein Rekordergebnis erzielt. Das zeigt: Die für die Allianz typische Qualität und Solidität von Produkten und Dienstleistungen sind bei unseren Kunden mehr denn je gefragt.
? Und wie sieht es bei der Dresdner Bank aus?
Perlet: Bei der Bank führen wir ein konsequentes Turnaround-Programm durch. 2002 hat die Bank drei wichtige Ziele erreichen können: Erstens konnten die Risiko-Aktiva von 189,8 auf 142,7 Milliarden Euro substantiell zurückgefahren werden. Zweitens wurden die Verwaltungsaufwendungen der Dresdner Bank um 12,3 Prozent gesenkt.
Des weiteren werden mit Hochtouren nicht-strategische und notleidende Kreditportfolios von der Bank in die Institutional Restructuring Unit übertragen. Dadurch kann die Bank voll und ganz auf die Verbesserung des operativen Geschäfts fokussieren.
Die Spezialeinheit kümmert sich um ein Kreditportfolio von rund 22 Milliarden Euro (Anmerkung der Redaktion: Die Kreditlinie beträgt 30 Milliarden Euro, davon wurden 22 Milliarden Euro gezogen). Dabei möchte ich betonen, dass der Großteil der Kredite mit Zinszahlungen bedient wird, und nur ein geringer Teil aus sogenannten „bad loans“ besteht.
Des weiteren werden mit Hochtouren nicht-strategische und notleidende Kreditportfolios von der Bank in die Institutional Restructuring Unit übertragen. Dadurch kann die Bank voll und ganz auf die Verbesserung des operativen Geschäfts fokussieren.
Die Spezialeinheit kümmert sich um ein Kreditportfolio von rund 22 Milliarden Euro (Anmerkung der Redaktion: Die Kreditlinie beträgt 30 Milliarden Euro, davon wurden 22 Milliarden Euro gezogen). Dabei möchte ich betonen, dass der Großteil der Kredite mit Zinszahlungen bedient wird, und nur ein geringer Teil aus sogenannten „bad loans“ besteht.
? Vor allem schwache Finanzmärkte haben das Ergebnis belastet. Wie kann die Gruppe trotz solcher Einflüsse in der Zukunft mehr Stabilität erreichen?
Perlet: Wir haben aus der Erfahrung der letzten zwei bis drei Jahre gelernt und werden unsere Abhängigkeit von den Kapitalmärkten durch noch bessere Mischung und Streuung unserer Kapitalanlagen nachhaltig reduzieren. Das bedeutet nicht, dass wir uns als großer Kapitalanleger nun vollständig aus den Aktienmärkten zurückziehen, vor allem nicht, dass wir jetzt zyklisch Verluste statt Gewinne realisieren.
In diesem Zusammenhang ist auch die Dresdner Bank-Transaktion mit dem Abbau der Finanzbeteiligungen an der HypoVereinsbank und der Münchener Rück auf der einen und dem Aufbau der Kerngeschäftsbeteiligungen an Allianz Leben, BVB (der bayerischen Allianz) und Frankfurter Allianz auf der anderen Seite zu sehen.
Wir haben darüber hinaus auch im Industriebereich Änderungen vorgenommen. Hier machen wir weiter, wenn es im Sinne unserer Gesamtportfoliosteuerung opportun ist.
In diesem Zusammenhang ist auch die Dresdner Bank-Transaktion mit dem Abbau der Finanzbeteiligungen an der HypoVereinsbank und der Münchener Rück auf der einen und dem Aufbau der Kerngeschäftsbeteiligungen an Allianz Leben, BVB (der bayerischen Allianz) und Frankfurter Allianz auf der anderen Seite zu sehen.
Wir haben darüber hinaus auch im Industriebereich Änderungen vorgenommen. Hier machen wir weiter, wenn es im Sinne unserer Gesamtportfoliosteuerung opportun ist.
? Mit welchem Ergebnis rechnen Sie im Jahr 2003?
Perlet: Wir können in Anbetracht der volatilen Finanzmärkte und der Kriegsangst keine konkrete Prognose abgeben. Wir haben uns aber das Ziel gesetzt, in 2003 das Ergebnis deutlich zu verbessern. Dabei werden uns vier Faktoren helfen:
Erstens werden wir Versicherungsgeschäft nur noch mit risikogerechten Prämien schreiben. Dadurch werden wir die Combined ratio weiter senken.
Zweitens werden wir über alle Geschäftssegmente hinweg weiterhin Kosten reduzieren und die Effizienz steigern.
Drittens werden wir das Turnaround-Programm bei der Dresdner Bank konsequent fortsetzen. Das heißt vor allem, die Kosten in den Griff zu bekommen und weiter abzubauen, das kritische Kreditportfolio mit Hilfe der Institutional Restructuring Unit zu reduzieren und die operativen Erträge zu steigern.
Viertens werden wir unsere Kapitalbasis stärken und dadurch weiterhin von den Wachstumschancen profitieren, die sich aus dem Bedürfnis der Kunden nach Solidität und Sicherheit ergeben. Wie groß die Chancen hier für uns sind, zeigt das Beispiel Allianz Leben mit einem Rekord im Neugeschäft und einem Gewinn von zusätzlichen Marktanteilen.
Wir konzentrieren uns also weiterhin auf die Dinge, die wir selbst beeinflussen können. Und natürlich wollen wir uns auch von der Entwicklung der Kapitalmärkte unabhängiger machen. Aber wir müssen realistisch bleiben. Das Kapitalmarktgeschäft gehört zu unserem Kerngeschäft und wird von daher auch immer einen Einfluss auf unser Ergebnis haben.
Erstens werden wir Versicherungsgeschäft nur noch mit risikogerechten Prämien schreiben. Dadurch werden wir die Combined ratio weiter senken.
Zweitens werden wir über alle Geschäftssegmente hinweg weiterhin Kosten reduzieren und die Effizienz steigern.
Drittens werden wir das Turnaround-Programm bei der Dresdner Bank konsequent fortsetzen. Das heißt vor allem, die Kosten in den Griff zu bekommen und weiter abzubauen, das kritische Kreditportfolio mit Hilfe der Institutional Restructuring Unit zu reduzieren und die operativen Erträge zu steigern.
Viertens werden wir unsere Kapitalbasis stärken und dadurch weiterhin von den Wachstumschancen profitieren, die sich aus dem Bedürfnis der Kunden nach Solidität und Sicherheit ergeben. Wie groß die Chancen hier für uns sind, zeigt das Beispiel Allianz Leben mit einem Rekord im Neugeschäft und einem Gewinn von zusätzlichen Marktanteilen.
Wir konzentrieren uns also weiterhin auf die Dinge, die wir selbst beeinflussen können. Und natürlich wollen wir uns auch von der Entwicklung der Kapitalmärkte unabhängiger machen. Aber wir müssen realistisch bleiben. Das Kapitalmarktgeschäft gehört zu unserem Kerngeschäft und wird von daher auch immer einen Einfluss auf unser Ergebnis haben.
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Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen, der Ihnen oben rechts zur Verfügung gestellt wird.
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