Helmut Perlet: Wir brauchen einen Standard, der die Besonderheiten des Versicherungsgeschäfts widerspiegelt. Wir wollen einen harmonisierten Rechnungslegungs-Standard für Versicherungsverträge, hauptsächlich, damit der Jahresabschluss unser Geschäft besser als bisher abbildet. Anleger, Aktionäre und andere Adressaten der Finanzberichterstattung benötigen klare, vergleichbare und relevante Informationen über die finanzielle Lage eines Unternehmens.
Es ist das erste Mal, dass europäische Unternehmen hinsichtlich der Ausgestaltung der Rechnungslegung ein gemeinsames Ziel verfolgen. Die Allianz und andere Mitglieder des CFO-Forums wollen das Rahmenkonzept für die Rechnungslegung neu fassen und werden darin vom CEA, dem Comité Européen des Assurances - dem Dachverband der europäischen Verbände der Versicherungsunternehmen, unterstützt.
Allianz engagiert sich für neuen Rechnungslegungs-Standard
Die Allianz setzt sich an vorderster Front dafür ein, die Rechnungslegungs-Vorschriften für Versicherungsverträge zu modifizieren. Helmut Perlet, im Vorstand für die Rechnungslegung zuständig und derzeit Chairman des CFO-Forums, erklärt Allianz.com News die vorgeschlagenen Änderungen.

Helmut Perlet: Der Jahresabschluss soll unser Geschäft besser als bisher abbilden
Allianz.com News: Herr Dr. Perlet, die Allianz und andere Mitglieder des CFO-Forums fordern eine Anpassung der Rechnungslegungs-Standards für die Versicherungsbranche. Warum?
? Es gibt ja bereits Rechnungslegungsvorschriften. Warum reichen diese nicht aus?
Perlet: Die derzeitige Situation ist einfach unbefriedigend. Die Versicherungen gehören zu den wenigen Branchen, deren Rechnungslegung noch nicht harmonisiert ist. Deswegen sind die Regelwerke global gesehen bunt zusammengewürfelt. Das erschwert es Analysten, Investoren und anderen Interessengruppen sehr, anhand der Jahresberichterstattung Versicherungsunternehmen mit Unternehmen anderer Branchen oder auch nur mit Versicherungsunternehmen aus anderen Bereichen zu vergleichen.
Die geltenden Rechnungslegungs-Vorschriften bilden die Unternehmenslage nicht genau ab und das wirkt sich sogar negativ auf die Aktienkurse aus. Die Kapitalkosten sind zu hoch, denn das Risiko einer Investition in ein Versicherungsunternehmen wird durch die Vorschriften überzeichnet. Optionen und Bürgschaften werden nicht angemessen bewertet. Aktiva stehen mit ihrem Marktwert, Passiva hingegen häufig mit dem Buchwert in der Bilanz, und das erhöht bei Versicherungsgesellschaften deren Volatilität. Wir drängen darauf, dass wir auch die Passiva mit dem jeweiligen Marktwert bewerten dürfen.
Die geltenden Rechnungslegungs-Vorschriften bilden die Unternehmenslage nicht genau ab und das wirkt sich sogar negativ auf die Aktienkurse aus. Die Kapitalkosten sind zu hoch, denn das Risiko einer Investition in ein Versicherungsunternehmen wird durch die Vorschriften überzeichnet. Optionen und Bürgschaften werden nicht angemessen bewertet. Aktiva stehen mit ihrem Marktwert, Passiva hingegen häufig mit dem Buchwert in der Bilanz, und das erhöht bei Versicherungsgesellschaften deren Volatilität. Wir drängen darauf, dass wir auch die Passiva mit dem jeweiligen Marktwert bewerten dürfen.

Dem CFO Forum gehören die Finanzvorstände führender europäischer Versicherungsunternehmen an
? Die Vorschläge sind inzwischen ausgearbeitet. Was ist der nächste Schritt?
Perlet: Das europäische CFO-Forum der Versicherungsunternehmen hat seine Vorschläge für neue Rechnungslegungs-Standards am 22. Juni veröffentlicht, nachdem es sie zuvor beim IASB, dem International Accounting Standards Board, eingereicht hatte. Als Nächstes werden wir diese Vorschläge den Interessengruppen in den Mitgliedstaaten der EU übermitteln. Dazu zählen die Aufsichtsbehörden und die für die Rechnungslegung zuständigen Organisationen. Letztlich entscheiden wird das IASB, das die weltweit gültigen und auch für die Europäische Union verbindlichen Regeln aufstellt. Ende des Jahres wird ein Diskussionspapier des IASB erwartet, der neue versicherungsspezifische Standard soll 2009 oder 2010 in Kraft treten.
Je schneller der neue Standard kommt, desto besser. Unserer Meinung nach benachteiligt uns die aktuelle Regelung gegenüber den Wettbewerbern.
Je schneller der neue Standard kommt, desto besser. Unserer Meinung nach benachteiligt uns die aktuelle Regelung gegenüber den Wettbewerbern.
? Wer wird von den vorgeschlagenen Änderungen profitieren?
Perlet: Der neue Rechnungslegungs-Standard wäre ein Gewinn für Kunden, Aktionäre und Investoren der Allianz. Die derzeitige Regelung beeinträchtigt unsere Konkurrenzfähigkeit. Wir haben höhere Kapitalkosten, als wenn die Jahresabschlüsse global konsistenter und vergleichbar wären und unsere Bilanz unser Geschäftsmodell abbilden würde. Niedrigere Kapitalkosten bedeuten höhere Anlageerträge, während ein erschwerter Zugang zum Kapital für die Kunden Nachteile bei Produkten und Versicherungsbeiträgen bringt. Je besser unser Anlageergebnis, desto besser für Versicherungsnehmer, die uns z.B. ihre Altersvorsorge anvertraut haben.
Außerdem wird der neue Standard für mehr Klarheit, Konsistenz und Genauigkeit in der Rechnungslegung von Versicherungen sorgen, damit die Branche für Investoren attraktiver machen und die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Finanzstabilität und das Wirtschaftswachstum fördern.
Außerdem wird der neue Standard für mehr Klarheit, Konsistenz und Genauigkeit in der Rechnungslegung von Versicherungen sorgen, damit die Branche für Investoren attraktiver machen und die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Finanzstabilität und das Wirtschaftswachstum fördern.
? Versteht sich der vorgeschlagene Versicherungsstandard als europäische oder als weltweite Vorgabe?
Perlet: Die Allianz ist ein globales Unternehmen. Wir wollen weltweit und nicht lediglich europaweit vergleichbare Standards, wir wollen eine globale Konvergenz und ziehen in diesem Punkt mit Versicherungsunternehmen aus den USA und Japan an einem Strang. Globale Konvergenz würde die Vergleichbarkeit erhöhen und ein Level-Playing-Field, das heißt für alle Beteiligten identische Wettbewerbsvoraussetzungen schaffen. Wir plädieren für einen qualitativ hochwertigen Standard, der für Versicherungsverträge weltweit gilt.
Das CFO-Forum
Das CFO-Forum wurde 2002 gegründet. Ziel ist die Harmonisierung der Jahresberichterstattung in Zusammenarbeit mit dem IASB und anderen Interessengruppen. Dem Forum gehören die Finanzvorstände (Chief Financial Officer, CFO) der führenden europäischen Versicherungsunternehmen an; sie diskutieren dort über alle Entwicklungen innerhalb der Finanzberichterstattung und streben mehr Transparenz für Investoren an. Mitglied im CFO-Forum sind AEGON, die Allianz, Aviva, AXA, CNP, Fortis, Generali, Hannover Re, ING, die Legal & General Group, Mapfre, Munich Re, Old Mutual, Prudential, Scottish Widows, Standard Life, Swiss Life, Swiss Re, Winterthur und Zurich Financial Services.
Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen, der Ihnen oben rechts zur Verfügung gestellt wird.
Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen, der Ihnen oben rechts zur Verfügung gestellt wird.
Mehr Informationen zum Thema