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Anlässlich des Allianz Arena Business Talk im April 2008 diskutierten die mehrfache Weltrekordhalterin im Schwimmen, Kirsten Bruhn und Gerhard Rupprecht, Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland AG, über die Paralympics. Am Rande der Veranstaltung fand sich die Gelegenheit zu einem Gespräch mit der Athletin.
Allianz Deutschland AG
München, 11.08.2008
  Illustratives Bild
Kirsten Bruhn mit Gerhard Rupprecht während des Allianz Arena Business Talk
Seit 2006 ist die Allianz Partner des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) sowie des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) und unterstützt die Athleten des deutschen Top Teams auf ihrem Weg zu den Paralympischen Spielen 2008. Eine davon ist die Schwimmerin Kirsten Bruhn. Bei den Paralympics 2004 in Athen gewann sie einmal Gold über 100 Meter Brust, zweimal Silber über 100 Meter Rücken und 50 Meter Freistil und einmal Bronze über 100 Meter Freistil. Sie hält mehrere Weltrekorde, unter anderem über 100 Meter Brust und 100 Meter Rücken.
Frau Bruhn, Noch wenige Wochen bis zum Start der Paralympics. Was ist für Sie jetzt wirklich wichtig?
Kirsten Bruhn: Diese paar Wochen überstehen, gesund bleiben und dass es weiter so gut läuft mit dem Training. Zur Zeit bin ich ziemlich platt und kaputt, aber das ist in meinem Trainingsplan so vorgesehen. Zwei Wochen müssen wir dieses harte Pensum noch durchhalten, dann gehen wir mit dem Umfang runter.
Was erhoffen Sie sich von Peking?
Bruhn: In Peking selbst erhoffe ich mir Bestleistungen, ein gut funktionierendes Team und natürlich ein farbenfrohes Event zusammen mit allen anderen paralympischen Sportlern.
Sie haben bereits vor vier Jahren sehr erfolgreich an den Paralympics in Athen teilgenommen. Was macht für Sie den besonderen Reiz der Veranstaltung aus?
Bruhn: Ich finde es toll, dass hier alle paralympischen Sportarten zusammen ein Event haben. Normalerweise treten die Sportler in den einzelnen Disziplinen ja nur getrennt an. Hier hat man die verschiedenen Sportarten zusammen und wenn man mal frei hat, kann man sich verschiedene Wettbewerbe ansehen. Das macht das Ereignis sehr speziell. Leider habe ich ein dichtes Programm und nur zwei freie Tage, daher werde ich dazu nicht die Ruhe haben. Im Fokus steht für mich ganz klar der Wettkampf und meine eigenen Leistungsziele.
Wo werden Sie überall starten?
Bruhn: Die Hunderterstrecke in Brust, Rücken und Freistil und bei Freistil kommen dann noch die 50 und die 400 Meter dazu.
Ein strammes Programm. Wie bereiten Sie sich darauf vor?
Bruhn: Im Moment ist es so, dass ich um sieben oder um acht Uhr aufstehe. Ich mache dann erstmal eine halbe Stunde Krafttraining mit reichlich Situps, Liegestützen und anderen Übungen. Dann mindestens zwei Stunden Wasser und danach noch einmal zwei Stunden Kraft. Ab nächster Woche sind wir im Trainingslager, dann bin ich vier bis fünf Stunden im Wasser. In der Woche sind also 40 bis 50 Kilometer Schwimmen angesagt.
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Kirsten Bruhn: "Das Gefühl nicht behindert zu sein, das gibt mir der Sport"
Wie unterstützt Sie die Allianz bei diesem gewaltigen Trainingspensum. Sie sind ja – wie alle paralympischen Sportler – Amateur?
Bruhn: Die Allianz hat zusammen mit der Telekom Gelder zur Finanzierung eines sogenannten Topteams Peking zur Verfügung gestellt. Mitglieder dieses Topteams sind 40 Sportler aus verschiedensten Disziplinen, die Aussichten auf Medaillen haben. Durch dieses Geld haben wir die Möglichkeit uns für den Sport freistellen zu lassen. Für mich persönlich bedeutet das, dass ich seit dem 1. 1. 2007 nur einen halben Tag arbeite und den Rest der Zeit für das Training zur Verfügung habe. Zusätzlich konnte ich jetzt zum Beispiel auch die zwei Wochen für das Trainingscamp frei nehmen. Das ist eine phantastische Unterstützung, die man mit Geld gar nicht aufwiegen kann und dafür bin ich sehr, sehr dankbar.
Welche Rolle spielt der Sport für Sie?
Bruhn: Das Gefühl nicht behindert zu sein, das gibt mir der Sport. Ich fühle mich wirklich nur im Wasser nicht behindert. Ansonsten stößt man überall auf Hindernisse, auf Barrieren, auf Dinge die man nicht überwinden kann. Regale, die zu hoch sind, Gänge, die zu eng sind, unebene Wege, Gebäude, in denen noch keine Lifte eingebaut sind, da gibt es ganz viele Situationen und die habe ich halt im Wasser nicht. Dort fühle ich mich so wie ich mich vor dem Unfall gefühlt habe und das tut mir sehr gut.
Bei einem Motorradunfall im Jahr 1991 haben Sie eine inkomplette Querschnittlähmung erlitten. Wie hat sich für Sie danach der Sport verändert?
Bruhn: Es hatte sich bald nach dem Unfall herausgestellt, dass ich noch Restfunktionen in den Beinen habe. Um die Beinmuskulatur wieder aufzubauen, musste sie vor allem in den ersten ein bis zwei Jahren nach dem Unfall intensiv trainiert werden. So bin ich schnell wieder ins Wasser gekommen. Das heißt aber nicht, dass ich dann sofort eine Bahn nach der anderen geschwommen bin. Das war zunächst mehr ein therapeutisches Bewegen der Beine.
Zum Training an sich bin ich erst viele Jahre später gekommen, viel zu spät aus meiner heutigen Sicht. Mein Vater hatte ja immer als Trainer gearbeitet und irgendwann bin ich mal mit, um meine alten Kollegen wieder zu sehen. Ich bin dann einfach mal nebenher geschwommen. Anfangs bin ich eher wie ein Stück Treibholz im Wasser rumgedümpelt, aber irgendwann habe ich gemerkt, dass sich wieder fließende Bewegungsabläufe entwickeln.
Während einer Kur 2002 hat dann ein Therapeut zu mir gesagt: 'Was Du da jeden Abend im Wasser bringst, ist wirklich nicht normal. Willst Du das nicht mal irgendwo unter Beweis stellen?' Da habe ich mir gedacht: 'Warum eigentlich nicht?' Nach der erfolgreichen Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften habe ich endgültig Lunte gerochen. Da kam dann wieder die alte Sportlerin heraus. Seitdem habe ich wieder das Gefühl, dass dieses Leben lebenswert ist.
Sie haben auch vor ihrem Unfall schon Leistungssport getrieben. Das heißt, Sie kennen jetzt beides, den gewöhnlichen und den paralympischen Leistungssport. Wie würden sie die Unterschiede beschreiben?
Bruhn: Der paralympische Sport hat sehr, sehr viel mehr Herz. Es gibt ein näheres, liebevolleres Beisammensein zwischen den Menschen, ganz ohne Fragen. Das genieße ich sehr. Bei den nicht Behinderten ist das alles ein Einzelkampf, jeder ist sich selbst der Nächste. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die finanzielle Seite eine große Rolle spielt, mit Preisgeldern und Sponsoren, wie wir sie im paralympischen Sport so nicht kennen. Dennoch: Ich bin überzeugt, auch wenn wir diese Möglichkeiten hätten, wäre das ein herzlicheres Miteinander. Irgendwie sind wir durch den Schicksalsschlag, den wir erlitten haben, oder dadurch, dass wir von Geburt an körperlich gehandicapt sind, ein bisschen nachdenklicher, ein bisschen dankbarer. Und das macht sich bemerkbar.
Haben Sie den Eindruck, dass die öffentliche Wahrnehmung der Paralympischen Spiele stärker geworden ist in den letzten Jahren?
Bruhn: Ja, auf jeden Fall. Schon von Athen bis jetzt sind das Quantensprünge. In diesem Jahr wollen ARD und ZDF 88 Stunden übertragen - in Athen war das noch eine einstellige Zahl. Ich hoffe aber inständig, dass das noch nicht das Ende ist. Es wäre schon schön, wenn man alle Events - auch Weltmeisterschaften oder Europameisterschaften - in den Medien präsentieren und begleiten würde, genau so wie das im nicht behinderten Sport der Fall ist. Den Anspruch haben wir und ich denke der ist auch gerechtfertigt.

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen, der Ihnen oben rechts zur Verfügung gestellt wird.

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Kontakt für Presse
Christian Teichmann
Allianz Deutschland AG
+49.89.3800-7578
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Kirsten Becker
Allianz Deutschland AG
+49.89.3800-18170
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