Allianz Gastprofessor spricht über Juden im Islam
Menahem Ben-Sasson, der fünfte Allianz Gastprofessor für islamische und jüdische Studien an der Ludwig-Maximilians-Universität München, hält am 7. Dezember 2005 seinen Begrüßungsvortrag. Er spricht über das Zusammenleben von Juden und Arabern im vergangenen Jahrtausend.
Für die Juden im frühen Mittelalter waren die islamischen Eroberungen eine gute Nachricht: Nun waren sie im arabischen und iberischen Raum nicht mehr die einzige religiöse Minderheit, sondern hatten die gleichen Rechte wie ihre christlichen Zeitgenossen. Der Rechtsstatus von Minderheiten ist sogar im Koran verankert – sie müssen sich unterwerfen und Steuern zahlen, werden dafür aber beschützt.

Menahem Ben-Sasson ist der fünfte Allianz Gastprofessor für islamische und jüdische Studien in München
Lange friedliche Koexistenz
Kann diese Jahrhunderte lange friedliche Koexistenz Vorbild für die Gegenwart sein? "Unmittelbare Lösungen für die Gegenwart können wir aus der Geschichte nicht ziehen, auch wenn Karl Marx das geglaubt hat", so Menahem Ben-Sasson. "Aber wer nicht aus der Geschichte lernt, muss alle Fehler wiederholen."
Ben-Sasson, Professor und früherer Rektor an der Jerusalemer Hebrew University und in diesem Semester Allianz Gastprofessor in München, gilt als einer der weltweit besten Kenner jüdischer Geschichte im islamischen Bereich während des Mittelalters. Am 7. Dezember um 19.30 Uhr hält er seinen Begrüßungsvortrag zum Thema "Jews and Arabs - A Perspective of a Millennium".
Ben-Sasson, Professor und früherer Rektor an der Jerusalemer Hebrew University und in diesem Semester Allianz Gastprofessor in München, gilt als einer der weltweit besten Kenner jüdischer Geschichte im islamischen Bereich während des Mittelalters. Am 7. Dezember um 19.30 Uhr hält er seinen Begrüßungsvortrag zum Thema "Jews and Arabs - A Perspective of a Millennium".
Schock des 11. September 2001
Die Allianz Gruppe hatte die Gastprofessur für islamische und jüdische Studien an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München im Jahr 2003 eingerichtet, um den Dialog zwischen dem jüdischen und dem islamischen Kulturkreis zu fördern.
Michael Thoss von der Allianz Kulturstiftung sagt dazu: "Das Forschungsgebiet von Professor Ben-Sasson passt perfekt zur Intention der Allianz Gastprofessur, die nach dem Schock des 11. September initiiert wurde: Sie möchte das Verständnis und damit die Verständigung zwischen den beiden Kulturen fördern, deren Aufeinandertreffen man heute fast nur mit Hass und Gewalt verbindet."
Der Gastprofessor für das Sommersemester 2006 steht schon fest: John Efron von der University of California in Berkeley forscht über jüdisch-deutsche Kultur- und Wissenschaftsgeschichte in der Neuzeit. Im Winter 2006/2007 werden Allianz und LMU dann wieder einen Islamwissenschaftler nach München einladen.
Michael Thoss von der Allianz Kulturstiftung sagt dazu: "Das Forschungsgebiet von Professor Ben-Sasson passt perfekt zur Intention der Allianz Gastprofessur, die nach dem Schock des 11. September initiiert wurde: Sie möchte das Verständnis und damit die Verständigung zwischen den beiden Kulturen fördern, deren Aufeinandertreffen man heute fast nur mit Hass und Gewalt verbindet."
Der Gastprofessor für das Sommersemester 2006 steht schon fest: John Efron von der University of California in Berkeley forscht über jüdisch-deutsche Kultur- und Wissenschaftsgeschichte in der Neuzeit. Im Winter 2006/2007 werden Allianz und LMU dann wieder einen Islamwissenschaftler nach München einladen.
Distanz überwunden
Ben-Sasson ist bereits seit gut einem Monat in München, und seine Veranstaltungen finden regen Zuspruch. "Bevor ich das erste Mal nach Deutschland kam, hatte ich Schwierigkeiten mit dem Gedanken", erzählt der 1951 in Jerusalem geborene Israeli. Viele seiner Familienmitglieder sind von Deutschen umgebracht worden. "Mein erster Besuch vor sieben Jahren war ein Zufall."
Vor allem über wissenschaftliche Kontakte gelang es ihm allmählich, seine Distanz zu überwinden. "Wir hatten viele Gäste aus Deutschland an der Universität. Dadurch ergaben sich enge Kontakte, und es war normal, dass ich dann Gegenbesuche in Deutschland machte."
In München fühlt er sich sehr wohl, auch wenn sich manche seiner Bekannten über seine Entscheidung wunderten, für ein halbes Jahr nach Deutschland zu ziehen. "Ich fühle mich nicht nur an der Universität willkommen, sondern auch absolut sicher auf Münchens Straßen. Mit meiner Kippa bin ich als Jude zu erkennen, aber ich hatte nie ein negatives Erlebnis."
Vor allem über wissenschaftliche Kontakte gelang es ihm allmählich, seine Distanz zu überwinden. "Wir hatten viele Gäste aus Deutschland an der Universität. Dadurch ergaben sich enge Kontakte, und es war normal, dass ich dann Gegenbesuche in Deutschland machte."
In München fühlt er sich sehr wohl, auch wenn sich manche seiner Bekannten über seine Entscheidung wunderten, für ein halbes Jahr nach Deutschland zu ziehen. "Ich fühle mich nicht nur an der Universität willkommen, sondern auch absolut sicher auf Münchens Straßen. Mit meiner Kippa bin ich als Jude zu erkennen, aber ich hatte nie ein negatives Erlebnis."
Gemeinsame Tagung
Einen weiteren Schritt der Zusammenarbeit plant der Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur: Für die Tagung "Islam through Jewish Eyes – Judaism through Muslim Eyes" werden neben beiden Gastprofessoren und weiteren jüdischen Akademikern auch muslimische Wissenschaftler eingeladen.
"Diese Konferenz bewegt sich jenseits des Politischen", erläutert Lehrstuhlinhaber Michael Brenner. "Juden und Muslime haben in der Geschichte oft erstaunlich ähnliche Erfahrungen gemacht, das werden die Vorträge über die gegenseitige Wahrnehmung vom Mittelalter bis heute zeigen."
Auch im "dunklen Mittelalter" haben die Menschen immer wieder Lösungen gefunden, wie sich das Zusammenleben konstruktiv gestalten ließ, sagt Menahem Ben-Sasson. "Und zwar mit den Religionen, nicht gegen sie. Die Möglichkeiten der Zusammenarbeit sind auch heute da, die Menschen müssen sie nur umsetzen."
"Diese Konferenz bewegt sich jenseits des Politischen", erläutert Lehrstuhlinhaber Michael Brenner. "Juden und Muslime haben in der Geschichte oft erstaunlich ähnliche Erfahrungen gemacht, das werden die Vorträge über die gegenseitige Wahrnehmung vom Mittelalter bis heute zeigen."
Auch im "dunklen Mittelalter" haben die Menschen immer wieder Lösungen gefunden, wie sich das Zusammenleben konstruktiv gestalten ließ, sagt Menahem Ben-Sasson. "Und zwar mit den Religionen, nicht gegen sie. Die Möglichkeiten der Zusammenarbeit sind auch heute da, die Menschen müssen sie nur umsetzen."
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